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Dieses ist das 3. Kapitel von

"Kann man Glauben messen?"

von Frank L. Preuss

 

3. Glaubensprinzipien aus dem Munde Jesu

3.1 Alles ist möglich
3.2 Markus 11,23
3.3 Glaubensziel setzen
3.4 Was ist Wahrheit?

 

Wir wollen zunächst auf das 12. Kapitel des Hebräer Briefes zurückkommen und uns die ersten beiden Verse ansehen: "Lasset uns laufen durch Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens; welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete das Kreuz und achtete der Schande nicht und hat sich gesetzt zur Rechten auf den Stuhl Gottes." Jesus hatte sich ein Glaubensziel gesetzt; dieses Ziel war sein Platz zur Rechten von Gottes Thron. Dieses Ziel wird hier auch die vor ihm liegende Freude genannt. Unser Glaubensziel ist immer etwas Positives; es ist die Lösung zu einem Problem, es ist ein freudiges Ereignis. Bevor wir dieses Ziel erreichen, müssen wir eine Wegstrecke zurücklegen und beim Überwinden dieser Strecke laufen wir mit Ausdauer und Geduld.

Wir haben unsere Augen auf das Ziel gerichtet und wir danken Gott für die Lösung, die er uns gibt. Wir glauben an diese Lösung, die unser Ziel ist. Was wir auf unserer Wegstrecke sehen und erfahren ist für uns von geringer Bedeutung, denn wir glauben an unser Ziel.

Jesu Gang zur Rechten von Gottes Thron, der über das Kreuz führte, ist unser Beispiel. Aber das Wichtigste ist die Person Jesus selbst. Diese Person Jesu ist immer unser Hauptziel im Leben, andere Ziele sind wichtig, aber zweitrangig.

Glauben ist das Medium, das uns zum Ziel bringt. Und dieser Glaube ist uns von Jesus gegeben worden und er wird in Jesu vollendet werden, dann, wenn wir mit ihm regieren. Jesus ist der Urheber und Vollender des Glaubens. Wenn wir Fragen haben, die Glauben zum Inhalt haben, sollten wir zu Jesus gehen. Jesus ist die einzige Autorität auf diesem Gebiet. Viele der Berichte von Begegnungen zwischen Jesus und anderen Personen in der Bibel geben uns einen Einblick in die praktische Anwendung von Glauben im täglichen Leben.

Die Regeln, die Jesus lehrt, lernt man am besten, wenn man diese Berichte studiert und versucht, Theorie und Praxis zu verbinden. Ein Gespräch zwischen einem Mann und Jesus, in dem das Wort Glaube vorkommt, sollte durchdacht werden und nach dem dahinter liegenden Prinzip abgesucht werden. Jesus folgte dem Prinzip des Alten Testaments, er brachte viel Beispiele, um zu zeigen, wie man ein erfolgreiches Leben führt. Einige dieser Beispiele wollen wir in unseren Betrachtungen anschauen, um von ihnen etwas über Glauben zu lernen.

Doch zunächst wollen wir zu einigen allgemeinen Feststellungen kommen, die Jesus über Glauben macht.

 

3.1 Alles ist möglich

Jesus macht Äußerungen, die auf den ersten Blick einfach unwahrscheinlich erscheinen. Am Ende des 20. Verses in Matthäus 17 sagt Jesus: "Euch wird nichts unmöglich sein." Hier spricht Jesus von uns, uns Christen, und daß unsere Taten und Errungenschaften keine Grenzen unterliegen. Dieses erinnert uns an Märchen, wo jemand mit einem Zauberstab alles erreicht, was er will. Doch besteht ein Unterschied; uns Christen ist alles möglich dann, wenn unser Wille mit dem Willen des Vater übereinstimmt. Und die Übereinstimmung setzt eine Kenntnis des Vaters voraus. Nun die Kenntnis des Vaters beginnt mit unserer Errettung, und bereits an diesem Anfang unseres Ganges mit Gott können wir in seinem vollkommenen Willen wandeln. Gott wird uns in dem Licht beurteilen, das wir haben. Wenn unser Gang ernst gemeint ist, wird es für uns selbstverständlich sein, mehr Licht zu erlangen und ihn besser kennenzulernen. Bereits in diesen ersten Tagen unseres Christseins können wir erfahren, daß uns nichts unmöglich ist. Wie oft haben wir von Menschen gehört, die vor kurzem Gläubige geworden sind und mit großer Freude und Dankbarkeit berichten, daß Gott jedes ihrer Gebete beantwortet hat.

Und dieses stimmt mit der Bibel überein. Die kranke Frau kam zu Jesus das erste mal, und ihr Gebet wurde beantwortet, ihr eigener Glaube hatte sie gesund gemacht. Jesus sagte zu ihr: "Dein Glaube hat dir geholfen" (Matthäus 9,22; Markus 5,34). Nichts war ihr unmöglich.

Die zweite erstaunliche Aussage die Jesus macht ist in Markus 9,23: "Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt." Auch hier eine Zusage die unbegrenzt und unbeschränkt ist; die Zusage ist einfach grenzenlos. Das klingt als wenn jemand zu uns sagt, daß wir von ihm soviel Geld haben können, wie wir wollen. Die Höhe des Betrages ist in keiner Weise begrenzt und die Häufigkeit, mit der wir zum Geld abholen kommen, ist auch unbeschränkt. So ist es mit dem Potential das Gott für uns bereit hat, um in seinem Reich zu wirken.

Diese beiden Zitate Jesu haben wir in der Bibel gelesen, aber wir haben sie überlesen; es war einfach zu gut, um wahr zu sein; es war etwas für andere, nicht für uns, für uns normale Gläubige. Es war für vielleicht Jesus selbst, oder vielleicht für Paulus, oder vielleicht für einen dieser außergewöhnlichen Evangelisten, die es in Übersee gibt. Doch es ist einfach für uns, die wir Jesus nachfolgen und im christlichen Glauben wachsen.

 

3.2 Markus 11,23

Im elften Kapitel des Markus Evangeliums finden wir die Geschichte vom Feigenbaum, der von Jesus verflucht wurde. Am nächsten Tag, nachdem Jesus und die Jünger gesehen hatten, daß der Feigenbaum verdorrt war, erinnerte Petrus an die Worte, die Jesus am Tag zuvor zu dem Baum gesagt hatte und Jesus sagte daraufhin das Folgende (Markus 11,22-25): "Habt Glauben an Gott. Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Hebe dich und wirf dich ins Meer! und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, daß es geschehen würde, was er sagt, so wird's ihm geschehen, was er sagt. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubet nur, daß ihr's empfangen werdet, so wird's euch werden. Und wenn ihr stehet und betet, so vergebet, wo ihr etwas wider jemand habt, auf daß auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Fehler."

In dieser Erklärung finden wir das wichtigste Glaubensprinzip. Jesus formuliert es in Vers 23: "Wenn er glaubt, daß geschieht, was er sagt, dann wird es geschehen." Und Jesus wiederholt dieses Prinzip in Vers 24 mit anderen Worten: "Wenn ihr betet glaubt nur, daß ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil."

Im Vers 24 spricht Jesus zu seinen Jüngern, er spricht vom Beten, etwas was uns Gläubige betrifft, wenn wir Gott um etwas bitten. In Vers 23 jedoch spricht Jesus von "Jemand" und er spricht vom "sagen;" hier erläutert er ein Prinzip das allgemein ist, das auf Christen und auf Nichtchristen zutrifft, das aber auch im Positiven wie im Negativen funktioniert.

Zunächst wollen wir einen grammatischen Unterschied aufmerksam machen: In unserem zweiteiligen Prinzip ist unsere erste Zeile in der Gegenwart und die zweite Zeile in der Zukunft ausgedrückt:

Wenn er glaubt, daß geschieht, was er sagt,

dann wird es geschehen.

Es geht also um zwei Zeitabschnitte, oder um zwei Vorgänge, die durch einen mehr oder weniger langen, dazwischen liegenden Zeitabschnitt, getrennt sind. Das sind zusammen drei Zeitabschnitte oder drei Vorgänge.

Der erste Vorgang ist der des Sagens oder des Betens und Teil dieses Vorganges ist das Glauben. Das Glauben geschieht also im ersten Zeitabschnitt, im ersten Zeitabschnitt muß das Glauben einsetzen, dann wenn wir sagen, dann wenn wir beten. Das Glauben beginnt also bevor uns das Erbetene zuteil wird.

Im zweiten Zeitabschnitt üben wir Ausdauer und Geduld aus, und wir halten unseren Glauben aufrecht.

Der dritte Abschnitt ist die Zeit, wenn das, was wir erbeten haben, in der eigentlichen natürlichen Welt Wirklichkeit wird, wenn es sichtbar wird. Es kommt also darauf an, nicht dann anzufangen zu glauben, wenn wir etwas mit unseren eignen Augen sehen können und wenn wir es anfassen können, denn es wäre nicht Glauben sondern Wissen. Wenn wir etwas sehen und anfassen können, wissen wir, daß es da ist; es hat nichts mit Glauben zu tun; es hat etwas mit Wissen zu tun. Und was mit Wissen zu tun hat nennen wir Wissenschaft; es ist das Gebiet, mit dem sich Wissenschaftler beschäftigen. Wissenschaftler tun eine sehr nützliche Arbeit, doch manchmal wissen sie etwas nicht, sie glauben dann, daß es sich so und so verhält. Dieser Glaube wird Hypothese genannt. Manchmal werden solche Hypothesen als wissenschaftliche Tatsachen angesehen und das kann gefährlich werden. Es hat sich in der Vergangenheit immer gezeigt, wenn Hypothesen nicht mit der Bibel übereinstimmen, daß sie dann später verworfen werden müssen. Die Bibel wird also immer einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten. Wir können sogar sagen, daß ohne das Wissen der Bibel ein Wissenschaftler immer sehr beschränkt sein wird, denn er wird nur das erkennen, was er mit seinen fünf Sinnen erforschen kann. Das eigentlich Wichtige jedoch, die geistige Welt, die die natürliche hervorbrachte und ihre Gesetze bestimmt, bleibt ihm verschlossen.

Würde ein Wissenschaftler, sagen wir zum Beispiel ein Mediziner, seinen Forschungsbereich über seine fünf Sinne hinaus ins Geistige erweitern, würde er erfolgreicher sein; die Hilfe, die er der leidenden Welt geben könnte, wäre vielfach größer, weil er dann die geistigen Gründe von Krankheiten angehen würde und dadurch viel erfolgreicher ihre Heilung bewirken könnte.

Zwischen Wissen und Glauben gibt es also keinen Widerspruch und in Markus 11,23 finden wir das Prinzip des Zusammenhangs zwischen Glaube und Wissen: Das Glauben muß dann anfangen, wenn das Sagen und Beten stattfindet; dann, wenn wir im Geistigen operieren, wenn das natürliche Ergebnis noch nicht existiert. Wir sagen also das, was wir im geistigen Bereich geschaffen haben, denn das Geistige ist das, in dem wir wandeln. Unser Glaube muß da sein, wenn wir etwas im geistigen Reich erschaffen.

Markus 11,23 und 24 ist das Kernproblem, wenn wir Glauben studieren. Diese beiden Verse haben wir zu lesen und wir haben sie mit unserem Verstand zu verstehen. Wir müssen über sie nachdenken und über sie meditieren. Nachdem wir sie verstanden haben, werden sie in unseren Geist sinken und somit in unserem Herzen sein und wir werden anfangen, sie anzuwenden. Das Meditieren wird uns aber erleichtert, wenn wir die Beispiele, die uns Jesus gibt, zu Hilfe nehmen. Und an Hand von Beispielen aus den Evangelien wollen wir später dieses Prinzip gut kennenlernen.

Gott, als er die Welt schuf, glaubte als er sprach. Sein Glaube war aktiv in dem Augenblick, als er mit seinem Munde Worte aussprach. Er hatte sich auf diesen Augenblick vorbereitet; er wußte was er wollte; in seinem Verstand hatte er ein klares Bild von dem Universum und allen seinen Einzelheiten. Vor seinem geistigen Auge hatte Gott dieses Bild, er tat seinen Glauben hinzu und mit seinem Mund befahl er und so war es. Er setzte sich ein Glaubensziel und er erreichte es.

Wenn wir das Gleiche tun wollen, haben wir uns vorzubereiten. Wir haben uns ein Glaubensziel zu setzen. Das heißt, daß bevor wir sprechen und beten, wir uns vorbereiten. Wir überlegen uns, was wir eigentlich wollen, was das Problem ist und welche Lösung wünschenswert ist.

Und wenn wir beten, glauben wir, daß wir es schon erhalten haben, dann wird es uns zuteil. Während wir also unser Gebet aussprechen, glauben wir, daß wir das Gewünschte schon haben, trotzdem es erst später kommen wird. Für uns ist es schon real, in dem Augenblick wo wir noch beten, denn dann ist es im geistigen Bereich schon Wirklichkeit, die eigentliche Manifestation im natürlichen Bereich liegt dann noch in der Zukunft.

Darum ist es auch, daß unmittelbar nach dem Gebet oder als Abschluß des Gebetes, wir bereits Gott für das Ergebnis, das noch nicht im Sichtbaren sichtbar ist, danken und ihn dafür loben und preisen. Unser Prinzip aus Markus 11,23 ist in 1. Johannes 5,15 noch einmal mit anderen Worten formuliert worden: "Und so wir wissen, daß er uns hört, was wir bitten, so wissen wir, daß wir die Bitte haben, die wir von ihm gebeten haben." Und wenn wir das wissen, dann kann unser Danken sofort einsetzen.

Dieses Prinzip macht keinen Unterschied zwischen sagen und beten. In unserem Leben sollte es auch keinen Unterschied geben zwischen dem was wir sagen und dem was wir beten. Wenn die Wahrheit dieses Prinzips von uns richtig erkannt wird, zwingt sie uns, viele unserer Sprechgewohnheiten abzulegen und unser Sprechen diesem Prinzip anzupassen. All unser Sprechen wird sich dann so wandeln, daß unser Sprechen im Glauben ähnlich unserem Beten im Glauben wird. Die Kontrolle über unsere Zunge wird der Schlüssel zum Erfolg.

Am Ende spricht Jesus von Vergebung und dieses ist wichtig im Thema Glauben, denn in Galater 5,6 heißt es, daß Glaube in der Liebe wirksam ist. Liebe ist wichtiger als Glaube, und Gott ist Liebe. Die Anwendung unseres Glaubens wird also nur Früchte tragen, wenn unser Glaube in der Liebe wirksam ist; wie Gott liebte, als er uns diese Welt gab und uns schuf. Und da Gott Liebe ist, ist in allem was er tut Liebe beteiligt. Und wenn wir lieben, vergeben wir auch.

In Matthäus 9,29 sagt Jesus zu zwei Blinden: "Wie ihr geglaubt habt, so soll es geschehen." Der erste Teil des Satzes ist grammatisch in der Vergangenheit und der zweite Teil in der Zukunft. Als Jesus diesen Satz sprach, befand er sich im mittleren Zeitabschnitt. Im Zeitabschnitt davor fand das Sprechen und Glauben der beiden Blinden statt und im Zeitabschnitt danach fand das Öffnen ihrer Augen statt. Dieses ist ein Beispiel wie unser Prinzip angewendet wurde; dieser Ausspruch von Jesus ist aber auch in sich ein Glaubensprinzip: "Wie ihr geglaubt habt, so soll es geschehen." Was in unserem Leben geschieht, wird sehr davon abhängen, was wir in der Vergangenheit geglaubt haben.

 

3.3 Glaubensziel setzen

Wir wollen zwei Beispiele untersuchen, wo Jesus sich Glaubensziele setzt und sie erreicht. Besonders beachten wollen wir, wie Jesus sich in der Zwischenzeit verhält: nach der Setzung des Zieles und bevor Erreichung des Zieles.

Unser erstes Beispiel ist die Geschichte des Jairus, dem Synagogenvorsteher, und seiner kranken Tochter. Die Berichte hierüber finden wir in Matthäus 9,18-26; Markus 5,21-43 und Lukas 8,40-56.

Das Glaubensziel setzte Jesus, als er die Bitte des Jairus hörte. Das Ziel war die Gesundheit der Tochter. Jesus setzte sich dieses Ziel und machte sich auf den Weg zu dem Haus des Jairus. Jesus hielt sein Ziel aufrecht, auch als Dinge geschahen, die ihn hätten ablenken können.

Als erstes geschah die Heilung der Frau die unter Blutungen litt, Jesus erfüllte dieses Bedürfnis ohne sein Glaubensziel zu vergessen. Als Zweites kam der Bericht, daß die Tochter des Jairus gestorben war. Dieses war ein äußerst schlechter Bericht und hätte Grund genug sein können, das Glaubensziel aufzugeben. In fast allen Fällen heutzutage wird eine solche Nachricht schlicht als das Ende einer Person betrachtet, da kann man einfach nichts mehr machen. Jesus wich jedoch nicht von seinem Ziel ab; nicht nur ließ er sich von diesem Ereignis in der natürlichen Welt nicht beeindrucken, er sprach sogar dem Vater Mut zu: "Fürchte dich nicht, glaube nur!" (Markus 5,36; Lukas 8,50). Was für ein Glaubensprinzip. Furcht ist der Gegensatz zum Glauben. Wenn wir fürchten, glauben wir an das Negative, an den Teufel. Furcht setzt Glauben außer Kraft. Wenn wir fürchten, sündigen wir, denn wir vertrauen nicht auf Gott.

Als drittes sah Jesus die Leute im Hause des Jairus und hörte ihren Lärm wie sie den Tot der Tochter beweinten und beklagten. Wieder ließ sich Jesus von diesem Geschehen nicht beeinflussen, im Gegenteil, er sagte: "Weichet! denn das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft." (Matthäus 9,24; Markus 5,40; Lukas 8,52). Die Reaktion war Gelächter. Dieses war verletzend für Jesus; negative Gedanken diesen Leuten gegenüber kamen zu Jesus; aber er lehnte sie ab. Jesus blieb äußerlich unberührt; er ging zu der Toten und sprach; er befahl ihr aufzustehen. Er sprach zu einem toten Körper, und dieser tote Körper gehorchte. Jesus hatte das Ziel erreicht, denn die Tochter lebte und war geheilt. Es war das Ergebnis des Glaubensziels Jesu. Jesus war von seinem Ziel nicht abgewichen.

Unser zweites Beispiel ist die Auferweckung des Lazarus, aufgezeichnet in Johannes 11,1-44. Jesus erhält die Nachricht, daß Lazarus aus Betanien, sein Freund, krank ist. Jesus setzt sein Glaubensziel und sagt (Johannes 11,4): "Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehrt werde." Sein Ziel ist ein gesunder Lazarus. Wir wollen wieder sehen, was passiert, bevor das Ziel erreicht ist. Als erstes, als er bekannt gibt, daß er nach Judäa, nach Betanien, das in der Nähe von Jerusalem liegt, gehen will, wird ihm von seinen Jüngern abgeraten. Sie erinnern Jesus daran, daß die Juden ihn eben noch steinigen wollten, und jetzt will er da wieder hin gehen. Wenn wir unser Glaubensziel gesetzt haben, sollten wir uns auch von unseren besten christlichen Freunden nicht davon abbringen lassen. Wenn wir uns von Motiven der Angst leiten lassen, können wir sicher sein, daß der Teufel dahinter steckt. Jesus geht auf den Rat seiner Freunde nicht ein, er spricht zu ihnen über das, was wir tun müssen, solange wir Zeit haben. Und dann sagt er: "Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, daß ich ihn auferwecke." (Johannes 11,11). Hier spricht Jesus sein Ziel klar aus.

Als zweites findet Jesus, als er in Betanien ankommt, daß Lazarus schon vier Tage im Grab liegt und in seiner Diskussion mit Marta sagt Jesus: "Dein Bruder soll auferstehen" (Johannes 11,23). Jesus spricht von seinem Ziel, aber Marta denkt, er spricht von der Auferstehung am Letzten Tag. Seine Jünger und nun auch Marta verstehen die Sprache des Glaubens nicht, sie merken nicht, daß Jesus ein Glaubensziel gesetzt hat. Jesus bekennt das, was sein Ziel ist. Sein Bekenntnis aber stößt auf Unverständnis. So wird es uns oft gehen, wenn wir unser Ziel bekennen, unsere Freunde werden nicht wissen, worum es geht. Wenn wir jedoch auf einen Gläubigen stoßen, der sagt: "Amen, ich stimme mit dir überein; das ist ein gutes Bekenntnis," dann wissen wir, daß wir es hier mit einem Mann des Glaubens zu tun haben.

Als drittes stößt Jesus auf Maria, die andere Schwester des Lazarus, und sie wirft ihm die Schuld am Tode des Lazarus vor und dann sieht Jesus wie Maria weint und wie auch die Juden weinen. Und jetzt sagt die Bibel, daß Jesus im Innersten erregt und erschüttert ist. Ja, Jesus weint sogar. Aber er gibt sein Ziel nicht auf, er geht zum Grab.

Als viertes werden Vorwürfe geäußert: Hätte Jesus den Tod nicht verhindern können? Da wird Jesus wiederum innerlich erregt. Trotz des Aufruhrs in seinem Innern, trotz der enormen Gefühlsaufwallung, trotz all der vielen Dinge und Informationen die in seinen Verstand hineinkommen, trotz der sich jagenden Gedanken, zwingt er sein Denken auf das Ziel hin. Jesus befiehlt, den Stein vor der Grabhöhle zu entfernen.

Als fünftes kommt die Bemerkung Martas: "Herr, er stinkt schon; denn er ist vier Tage gelegen." Jesus läßt sich durch diese Erinnerung, daß ja der Tote schon 4 Tage tot ist, nicht entmutigen; im Gegenteil, er antwortet mit einer Aussage, die wohl unser ermutigenstes Glaubensprinzip ist (Johannes 11,40): "Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen." Die Wunder, die wir sehen werden, wenn wir glauben, zeugen von der Herrlichkeit Gottes. Wenn wir glauben, werden wir an unserem Ende die Herrlichkeit Gottes im Himmel sehen, aber wir werden auch hier auf Erden zu unseren Lebzeiten die Herrlichkeit Gottes sehen, nämlich die Wunder, die unserem Glauben folgen werden.

An seinem Ziel angekommen, ruft Jesus mit lauter Stimme: "Lazarus, komm heraus!" Lazarus tut genau das. Jesus folgte seinem Ziel, und er erreicht es: Lazarus kommt aus dem Grabe, er lebt und er ist geheilt.

Wenn wir unser Glaubensziel gesetzt haben, sprechen wir Glauben; wir rufen das, was nicht ist, ins Dasein.

 

3.4 Was ist Wahrheit?

Wenn wir ein Glaubensziel haben und unser Ziel ist Gesundheit, dann haben wir es uns gesetzt, weil wir krank sind. Wir wollen nicht krank sein, wir wollen gesund sein. In irgend einem Stadium unserer Krankheit haben wir uns auf Gott besonnen und auf sein Wort und haben für Heilung gebeten und wir haben in Glauben gebetet. Wir haben unser Glaubensziel gesetzt. Nehmen wir an wir haben uns auf folgende Schriftstelle berufen: "Durch seine Wunden seid ihr geheilt" (1. Petrus 2,24). Nachdem wir gebetet haben, werden wir von einem Bekannten besucht und er fragt nach den Ergehen. Und wir antworten: "Durch Jesu Wunden bin ich geheilt. Ich bin gesund." Unser Gast weiß nicht, was los ist. Er kann sehen, daß wir nicht gesund sind und hört uns sagen, daß wir gesund sind. Eine Möglichkeit seiner Reaktion ist, zu sagen: "Das ist aber nicht die Wahrheit," oder noch einfacher: "Der lügt."

Wir müssen uns also damit befassen, was Wahrheit ist. Der große Unterschied ist einfach, daß unser Gast sich in der natürlichen Welt bewegt und wir in der geistigen. Für ihn sind die Fakten, die seine Sinnesorgane wahrnehmen, Wahrheit. Für uns sind diese Dinge zwar auch Wahrheit, wir wissen aber, daß im geistigen Reich schon eine Änderung stattgefunden hat, und diese Tatsache ist für uns ranghöher, denn wir leben nicht nach dem, was wir sehen, sondern nach dem, was wir glauben. Dieses Prinzip finden wir in 2. Korinther 5,7: "Denn wir wandeln im Glauben, und nicht im Schauen." In 2. Korinther 4,18 formuliert Paulus noch anders: "Wir sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig."

Wenn Jesus sich ein Glaubensziel gesetzt hatte, dann blickte er auf das Unsichtbare aus, denn im Natürlichen war dieses Ziel noch nicht sichtbar. Aber er handelte und sprach in Übereinstimmung mit seinem Ziel. Für einen Beobachter, der dieses Ziel nicht kannte, erschien das Tun des Jesu unverständlich, er hätte gelacht und reagiert wie die Menschen reagierten, von denen wir in beiden Geschichten von Jairus und Lazarus gehört haben.

Würden wir unsere Glaubensprinzipien nicht kennen, würden auch wir vielleicht sagen, der Jesus hat nicht die Wahrheit gesprochen, er hat gelogen, als er sagte: "Das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft." Jesus machte eine solche Aussage, trotzdem ihm bekannt war, daß die Tochter des Jairus tot war. Und im Falle des Lazarus heißt es in der Bibel (Johannes 11,11-14): "Solches sagte er, und darnach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, daß ich ihn aufwecke. Da sprachen seine Jünger: Herr, schläft er, so wird's besser mit ihm. Jesus aber sagte von seinem Tode; sie meinten aber, er redete vom leiblichen Schlaf. Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben." Auch hier spricht Jesus davon, daß die Person schläft, trotzdem er genau weiß, daß sie tot ist. Wir haben schon erläutert, warum Jesus so spricht. Jesus handelte im Einvernehmen mit seinem Glaubensziel. Doch wollen wir im Folgenden noch einige andere Gesichtspunkte betrachten.

Die wichtigste Erkenntnis ist, daß Wahrheit eigentlich eine Person ist. Jesus sagt in Johannes 14,6: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben." Jesus selbst ist also die Wahrheit und somit ist Jesus auch der Einzige, der eigentlich definieren kann, was Wahrheit ist. Daß Jesus und Wahrheit viel miteinander zu tun haben, kommt zum Ausdruck in anderen Stellen im Johannesevangelium: "Eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit" (Johannes 1,14). "Die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden" (Johannes 1,17). "So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen" (Johannes 8,31-32). Dieser letzte Satz ist bedeutungsvoll, denn wenn wir die Prinzipien des Glaubens erkennen, wird diese Wahrheit uns frei machen. Mit unserem Glauben können wir dann frei von Armut, Krankheit und geistigem Tod sein.

Wenn uns Markus 11,23 klar geworden ist, dann bleiben wir an Jesus Rede, dann sind wir seine rechten Jünger, dann haben wir die Wahrheit erkannt, dann wird uns diese Wahrheit frei machen, dann werden wir ein Leben zu führen beginnen, daß unbegrenzt und unbeschränkt ist, und dann werden andere durch unser Beispiel auch Jünger werden wollen.

Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe (Johannes 8,40). Ich aber, weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht (Johannes 8,45). Den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfangen, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht (Johannes 14,17). Dieses ist ein Hinweis auf Ungläubige, die die Wahrheit, die Jesus verkündigt, nicht empfangen können. Ungläubige glauben nicht an die geistige Welt.

Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir (Johannes 15,26). Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten (Johannes 16,13). Diese beiden Verse beziehen sich auf den Heiligen Geist, der uns das Wort offenbaren wird.

Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit (Johannes 17,17). Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiligt seien in der Wahrheit (Johannes 17,19). Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? (Johannes 18,37-38). Hier wird wieder davon gesprochen, daß nur Menschen, die geistig lebendig sind, die Wahrheit erkennen können. Gleich nach den Worten Jesu beweist Pilatus es, denn er sagt: "Was ist Wahrheit?" Er ist geistig tot. Sein Geist ist nicht wiedergeboren. Er weiß nicht was Wahrheit ist. Er kennt nicht die Wahrheit die in der Person von Jesus direkt vor ihm steht; er hört nicht auf seine Stimme.

Jesus ist also Wahrheit. Er definiert die Wahrheit. Besonders kommt dieses in den drei folgenden Schriftstellen zum Ausdruck. In allen drei Fällen beginnt Jesus mit den Worten: "Wahrlich, ich sage euch." Mit den Worten "ich sage euch" deutet Jesus an, daß jetzt etwas Wichtiges kommt, daß wir zuhören sollen, und mit dem "Wahrlich" sagt er: Jetzt kommt die Wahrheit; was ich euch jetzt sage, ist die Wahrheit; jetzt sage ich euch die Wahrheit; das Folgende ist die eigentliche Definition der Wahrheit. "Denn wahrlich ich sage euch: So ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so mögt ihr sagen zu diesem Berge: Hebe dich von hinnen dorthin! so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein" (Matthäus 17,20). "Wahrlich ich sage euch: So ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein solches mit dem Feigenbaum tun, sondern, so ihr werdet sagen zu diesem Berge: Hebe dich auf und wirf dich ins Meer! so wird's geschehen. Und alles, was ihr bittet im Gebet, so ihr glaubet, werdet ihr's empfangen" (Matthäus 21,21-22). "Habt Glauben an Gott. Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Hebe dich und wirf dich ins Meer! und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, daß es geschehen würde, was er sagt, so wird's ihm geschehen, was er sagt. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubet nur, daß ihr's empfangen werdet, so wird's euch werden" (Markus 11,22-24).

Die Wahrheit, die Jesus in diesen drei Bibelstellen beschreibt und definiert ist diese: "Wenn ihr glaubt, so würdet ihr sprechen, und es würde geschehen." Das Sprechen - das Bekennen - geschieht vor dem eigentlichen Geschehnis. Es ist das, was wir tun, wenn wir ein Glaubensziel verfolgen.

Dieses ist es, was Jesus als "die Wahrheit sagen" bezeichnet. Es wird dreimal in der Bibel wiederholt, für Gott ist es also wichtig, und in vielen Beispielen des Alten und des Neuen Testaments wird es ausgelegt und in der Anwendung gezeigt. Wir müssen einfach die Definition, die Jesus für Wahrheit lehrt, als unantastbar erkennen. Diese Definition stimmt mit der Formulierung Paulus überein: "Rufe das, was nicht ist, ins Dasein" (Römer 4,17).

Wenn wir dieser Wahrheit zufolge handeln, ist es natürlich vorausgesetzt, daß wir auch in unserem Herzen glauben. Einfach zu sagen: "Ich bin nicht krank," wenn wir gar nicht glauben, daß Gott uns heilt, ist eine Lüge. In solch einem Falle ist es viel besser, die Krankheit zu akzeptieren, gegebenenfalls in eine Operation einzuwilligen und Gott zu bitten, uns in dieser Operation beizustehen und nach der Operation eine rasche Heilung zu bewirken. Wir handeln dann in einem Bereich des Glaubens, den wir kennen und aus dieser Situation heraus können wir wachsen und eine höhere Glaubensstufe anstreben. Wir Christen haben keine Grund gegen Ärzte zu sein. Gott benutz Ärzte, um Menschen zu helfen und die Heilung zu beschleunigen. Die meisten Christen erhalten wohl auf diese Weise ihre Heilung. Nur dürfen wir nicht Gott als unseren Heiler und Retter ausschalten. In 2. Chronik 16,12 heißt es: "Und Asa ward krank an seinen Füßen im neununddreißigsten Jahr seines Königreichs, und seine Krankheit nahm sehr zu; und er suchte auch in seiner Krankheit den Herrn nicht, sondern die Ärzte."

Unsere Suche nach Gott muß also absoluten Vorrang haben; wenn wir krank sind - und auch in allen anderen Situationen - müssen wir zuerst den Namen des Herrn anrufen und auf ihn unseren Glauben setzen.

Nun tritt die Frage auf, wie können wir eine Person beraten, die Heilung sucht und sich auf Gott stützt. Zu wissen, auf welcher Glaubensstufe diese Person steht, wird unsere Beratung vereinfachen. Wenn zum Beispiel eine Frau zu uns kommt und fragt: "Für die Heilung meines Herzleidens ist nun gebetet worden; soll ich jetzt aufhören meine Medikamente zu nehmen?" so sollen wir hier erkennen, daß diese Frau selbst nicht richtig glaubt, daß sie geheilt ist. Wir können das heraus hören; sie spricht noch von "ihrem" Herzleiden und wenn sie wirklich glaubt, daß sie geheilt ist, würde sie von allein mit der Medizin aufhören; sie würde nicht andere um Rat fragen. Dieser Frau sollten wir raten, mit der Medizin weiterzumachen. Die Heilung kann trotzdem erfolgen, sie kann von dem Glauben der Person kommen, die für die Frau gebetet hat, und die Heilung wird sich dann später sowieso herausstellen, unabhängig von der Medizin.

Dieses Beispiel zeigt uns, wie nützlich es für uns selbst und für die Hilfe anderer sein kann, wenn wir unseren Glauben oder den Glauben von anderen Personen messen können. Wie wir dieses messen des Glaubens tun können, wird deshalb ein wichtiger Teil unserer Betrachtungen bilden.

 

Dieses ist das Ende des 3. Kapitels von "Kann man Glauben messen?"

Nächstes Kapitel: 4. Glauben kann gemessen werden

Inhaltsverzeichnis siehe: "Kann man Glauben messen?"

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