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Dieses ist das 31. Kapitel von "Die Imitationskirche."

 

31. Die Vibrationen der Seele

Frank L. Preuss

 

Das 29. Kapitel des Buches Die Imitationskirche hatte den Titel Der silberne Strick und wir hatten uns dort mit diesem Band beschäftigt, das den Körper mit der Seele verbindet und besonders auch mit dem ganz besonderen Ereignis das in Prediger 12,6 beschrieben ist, wenn der silberne Strick zerreißt. Es geht bei diesem Zerreißen auch besonders um Bewußtseinszustände. Vor dem Zerreißen haben wir diesen Bewußtseinszustand, den wir auch jetzt haben – wenn wir wach sind – und danach, nach der Abtrennung des silbernen Strickes vom Leib, haben wir einen Bewußtseinszustand der für verschiedene Menschen ganz verschieden sein kann und diese Unterschiede werden recht drastisch durch zwei Worte beschrieben: Himmel und Hölle. Womit wir uns aber in diesem Kapitel beschäftigen wollen, ist die Form des Bewußtseins oder sind die Formen des Bewußtseins, die die Seele in diesem Übergangsstadium erlebt. Solche Betrachtungen helfen uns, uns auf dieses Ereignis zweckmäßig vorzubereiten, sie helfen uns aber auch, viel mehr Kenntnisse über unsere Seele zu erlangen und sie besser zu verstehen.

Im 29. Kapitel hatten wir das Zerreißen des silbernen Strickes an drei Beispielen aus den Erzählungen des Mathaels mitverfolgt, wie sie in dem Werk von Jakob Lorber, Das große Evangelium Johannes, zu finden sind. Das erste Beispiel war dort der Tod des Mathaels Nachbarn Weib. Der Mathael hatte mit seinen Erzählungen angefangen, als Jesus sich mit dem Werden und dem scheinbaren Vergehen beschäftigt hatte und ich will nun etwas von Jesus Erläuterungen bringen, die er lehrte, bevor der Mathael mit seinen Erzählungen anfing, denn diese Lehren geben uns einen Einblick in unser Thema.

Jetzt folgen also diese Erläuterungen von Jesus:

 

Und nun, da wir diese Nebensache, die sich durch den Auftritt des Jüngers Judas Ischariot ergeben hat, auch nutzbringend besprochen haben, kehren wir wieder zu unseren Betrachtungen des Werdens und nun des scheinbaren Vergehens zurück und wollen nun ganz besonders das letztere in Augenschein nehmen!«

(Der Herr:) »Das Werden einer Sache, eines Dinges, eines Wesens oder gar eines Menschen hat gewiß stets etwas Erheiterndes in sich, aber das sichtliche Vergehen und das Sichauflösen, besonders eines Menschen, hat in sich wieder nur etwas Trauriges, das jedes Menschen Gefühl stets mit einer Wehmut erfüllt.

Ich aber frage und sage: Ja, warum denn das, so die Menschen doch an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele noch irgendeinen Glauben haben?! Die Ursache liegt tiefer, als ihr sie euch denken möget. Vorerst entstammt diese Trauer der Furcht vor dem Tode und nachher noch vielem anderen, das Ich euch aber nun nicht auf einmal auftischen kann und darf, um euch nicht bald im einen und bald im andern verwirrt zu machen.

Ist eine Seele einmal völlig wiedergeboren und in alle wahre Lebenstätigkeit übergegangen, so ist wohl natürlich alle Trauer und alle die leere Furcht vor dem Sterben oder Vergehen vergangen; aber bei Seelen, die noch nicht den rechten Grad der innern Lebensvollendung erreicht haben, bleibt noch immer etwas von der Trauer um ihre verstorbenen Nächsten und in ihnen selbst etwas von der Furcht vor dem Tode zurück, von der sie auf dieser Welt nur dann erst völlig los werden, wenn ihre Seele in ihrem Geiste und der Geist in ihr groß geworden ist.

Betrachtet nur so ein recht verzärteltes Kind, wenn es nicht schon von frühester Zeit an stets mehr und mehr an Tätigkeit gewöhnt worden ist, was für ein ganz entsetzlich trauriges Gesicht es machen wird, so es etwa nach dem zurückgelegten zwölften Jahre in eine ganz ernste und anhaltende, wenn auch seinen Kräften angemessene Tätigkeit treten muß! Es fängt an zu weinen, wird voll Traurigkeit, voll Mißmut, voll Ärger auch und voll Zorn gegen jene, die es zu einer anhaltenden Arbeit anzutreiben anfangen.

Sehet dagegen ein Kind von gleichem Alter an, das schon von seiner frühesten Jugend mit Arbeiten stets ernster Art, die den Kräften angemessen waren, beschäftigt wurde! Mit welcher Freude und mit welch einem Behagen tummelt sich so ein Kind den ganzen Tag herum, ohne müde zu werden!

Wie aber in einer trägen Seele eine große Furcht vor aller ernsten und anhaltenden Tätigkeit stets daheim ist, so ist in der Seele auch aus derselben Quelle herrührend die Furcht vor dem Tode, ja sogar vor einer etwas gefährlicheren Krankheit vorhanden.

Ihr werdet auch schon öfter zu erleben die Gelegenheit gehabt haben, daß so recht fleißige und sehr arbeitsame Menschen bei weitem keine so große Furcht vor dem Sterben haben, wie jene arbeitsscheuen, aber dabei doch wohllebensheiteren und - lüsternen sie haben; und diese Furcht verliert sich nicht eher, als bis solche Seelen eine rechte Tätigkeit ergriffen haben.

Ihr meinet freilich, diese Furcht sei nur eine Folge der Unbestimmtheit im Wissen und Erkennen des Jenseits. Ich aber sage es euch allen: Mitnichten, dieses ist selbst nur eine Folge der tief wurzelnden Tätigkeitsscheu der Seele, und weil die Seele es geheim ahnt, daß mit der Wegnahme des Leibes ihre Weiterexistenz eine höchst tätige werden wird, so ist sie ganz untröstlich darüber und gerät in eine Art Fieber, in welchem dann auch eine Art Ungewißheit über das einstige Fortbestehen sich herausstellt. - Denket ein wenig darüber nach, und wir werden dann in dieser sehr wichtigen Sache weiter fortfahren!«

Auf diese Meine Worte erhebt sich Mathael und sagt: »So es gestattet wäre, möchte ich wohl bei dieser Sache ein Wörtlein zu dessen näherem Verständnis mitreden!«

Sage Ich: »Rede du nur immerhin, was du weißt und verstehst; denn dein Wissen und Verstehen steht auf dem besten Grunde!«

 

Die letzten beiden Absätze hatten wir bereits im 29. Kapitel gelesen, sie leiteten dort den ersten Bericht des Mathaels ein. Nachdem dann der Mathael mit seinem Bericht vom Todes des Weibes seines Nachbarn fertig war, hatte Jesus die Frage des Mathael beantwortet, und diese Frage war der letzte Absatz dort und ich wiederhole hier diesen letzten Absatz, denn diese Frage beschreibt recht gut das eigentliche Thema dieses, unseres Kapitels hier:

 

Ich möchte nun nur das ein wenig mehr erläutert haben, warum die Seele im Moment des Scheidens als ein Dunst der Brustgrube entsteigt, und warum nicht gleich als eine ausgebildete Menschenform. - Herr, Du liebevollster, Du allweisester Meister alles Lebens, möchtest Du uns darüber wohl eine Erklärung geben?«

 

Die Frage ist also, und unser Thema ist also, warum entsteigt die Seele im Moment des Scheidens als ein Dunst der Brustgrube, und warum nicht gleich als eine ausgebildete Menschenform.

Und hier kommen wir nun zu der Antwort die Jesus dem Mathael und seinen anderen Zuhörern und nun auch uns gibt:

 

Sage Ich: »Die sollet ihr sogleich haben; und so höret denn! Der ersichtliche Dunst - in dem Maße (Form) (aber zertragen, doch in der Größe und beiläufigen Form eines Menschen (J.L.) eines Menschen doch immerhin ist eine Folge der großen Beklommenheit der Seele im Moment des Scheidens, in welchem sie vor lauter Furcht und Entsetzen auf einige Augenblicke ganz bewußtlos wird.

Es ist eine außerordentliche Tätigkeitsanstrengung der scheidenden Seele, sich zu erhalten in ihrer sich selbst bewußten Existenz. Alle ihre Teile werden in eine außerordentlich heftige Vibration gesetzt, daß darob auch das schärfste geistersehende Auge irgendeine bestimmte Form nicht entdecken kann.

Ein Beispiel in der Natur böte die tiefklingende Saite einer Harfe. Wenn du sie stark angeschlagen hast, so wird sie sich eine Zeitlang also schnell hin und her schwingen, daß du ihren Körper auch nur als einen durchsichtigen Dunstfaden sehen wirst; hat die Saite aufgehört mit dem Schwingen, dann wird infolge ihrer Ruhe auch ihre eigentliche Form wieder ersichtlich.

Eine gleiche Erscheinung hast du beim Anblick einer summenden Fliege, deren Flügel du erst dann als Flügel wahrnehmen kannst, wenn die Fliege zu fliegen und dadurch zu summen aufgehört hat; im fliegenden Zustand hast du sie nur wie mit einem kleinen Dunstwölkchen umgeben geschaut.

Wenn die Seele im Scheidemomente austritt aus dem zerstörten, zerrissenen und fürderhin nicht mehr brauchbaren Leibe, so vibriert sie in oft eine Spanne langen Schwingungen, und zwar so schnell, daß du tausend Schwingungen als hin und her und auf und ab in einem Augenblicke annehmen kannst; da ist es dann während der Dauer solcher Seelenvibration dem disponierten Beschauer rein unmöglich, nur irgend etwas von der seelischen Menschenform auszunehmen. Nach und nach beruhigt sich die Seele mehr und mehr und wird dadurch auch als menschliche Form ersichtlich; tritt sie aber endlich ganz in den Zustand der Ruhe zurück, die gleich nach der völligen Ablösung eintritt, so ist sie dann auch sogleich in der vollkommenen Menschenform zu erschauen, vorausgesetzt, daß sie sich zuvor durch allerlei Sünden nicht zu sehr entstellt hat. - Verstehst du nun solches?«

Sagt Mathael: »O Herr, Du Allerweisester, wie sollte ich nun das nicht bestens verstehen? Du hast mir diese Erscheinung ja als mit den Händen zu greifen klargemacht! Aber nun möchte ich - Herr, vergib mir meine Wißbegier - denn auch noch dazu wissen, was für eine Zunge die fünf Seelen miteinander geredet haben! Ich selbst bin doch auch mehrerer Zungen fähig; aber demungeachtet verstand ich keine Silbe, was diese miteinander geredet haben. Besteht in dieser Welt noch irgendeine ähnliche Zunge?«

Sage Ich: »O ja, die birmanischen Priester sind im Besitze dieser Zunge (d.h. Sanskrit), und es ist das die Ursprache der ersten Menschen dieser Erde gewesen; eure, die altägyptische, und mitunter auch die der Griechen, stammen alle von dieser einen und ersten Menschensprache nahe vollkommen ab. Meinet ihr wohl, daß ihr verstündet den Vater Abraham, Isaak und Jakob, so sie hier wären und redeten also, wie sie dereinst geredet haben? O mitnichten, nicht ein Wort würdet ihr von ihnen verstehen! Verstehet ihr doch schon die Bücher Mosis schwer, die doch nahe um tausend Jahre jünger sind denn Abraham, um wieviel weniger die Erzväter selbst! Ja, es hat sich bei den Juden gar vieles sehr verändert, also auch die Sprache, ohne eine zweite babylonische Sprachenverwirrung. Verstehest du nun auch das?«

Sagt Mathael: »O Herr, auch darin bin ich nun im reinen; ich glaube, daß es auch die andern alle sind, und so möchte ich Dich im Namen aller wieder um weitere Belehrungen anflehen!«

Sage Ich: »Diese werden nicht ausbleiben; aber du hast noch eine Menge Erfahrungen im Bereiche des Sterbens gemacht und mußt uns daher noch einige der denkwürdigsten deiner Brüder wegen erzählen. Was dir oder jemand anderem dabei unklar ist, das werde Ich euch dann schon wieder aufhellen.

Ich habe euch vorher das Werden gezeigt bis auf den Punkt des Überganges durch den Abfall der Materie. Der leibliche Tod ist noch immer der Schrecken aller Kreatur. Den Grund davon habe Ich euch auch in aller Kürze kundgegeben; derselbe wird aber bei Gelegenheit noch ausführlicher dargetan werden. - Aber nun mache du dich nur wieder an deine Erzählungen!«

Sagt Mathael: »O Herr, nur auf Dein so überliebevolles Verlangen will ich noch mehrere Fälle also erzählen, wie ich sie mit meiner Seele Augen geschaut habe!«

 

Als erstes erfahren wir hier also etwas von einer weiteren Form des Bewußtseins: Die Seele wird „vor lauter Furcht und Entsetzen auf einige Augenblicke ganz bewußtlos.“ Es gibt also die Form des Bewußtseins, die Jesus „ganz bewußtlos“ nennt.

Während dieser Übergangsform vom Leben auf Erden zum Leben im geistigen Reich gibt es also die Möglichkeit, mehrere Formen des Bewußtseins zu durchlaufen. Wir haben also nicht nur hier beim Leben auf der Erde verschiedene Formen des Bewußtseins und wir haben zusätzlich nicht nur beim Leben im Jenseits verschiedene Bewußtseinszustände wie himmlische oder höllische, sondern auch wenn wir durch dieses Übergangsstadium gehen, können wir höllische Zustände haben, wenn wir unser Lebensziel nicht richtig verfolgen und uns nicht auf das geistige Reich richtig vorbereiten. Wir können also immer, hier wie im Jenseits, und nun auch dazwischen, unseren eigenen Himmel und unsere eigene Hölle erschaffen. Es liegt ganz an uns. Wir sind die Schöpfer unseres Schicksals. Wir haben freien Willen und können in jede Richtung gehen, die uns gefällt.

Jesus sagt, all Teile der Seele „werden in eine außerordentlich heftige Vibration gesetzt, daß darob auch das schärfste geistersehende Auge irgendeine bestimmte Form nicht entdecken kann.“

Die Seele schwingt also so schnell hin und her, daß auch das geistersehende Auge sie nur als Dunst sehen kann.

Auf die Frage des Mathaels, welche Sprache, die er nicht verstehen konnte, die Seelen gesprochen haben, antwortet Jesus, „die birmanischen Priester sind im Besitze dieser Zunge (d.h. Sanskrit), und es ist das die Ursprache der ersten Menschen dieser Erde gewesen; eure, die altägyptische, und mitunter auch die der Griechen, stammen alle von dieser einen und ersten Menschensprache nahe vollkommen ab.“

Jesus sagt, daß „eure“ Sprache, also das Hebräisch, von Sanskrit abstammt. An einer anderen Stelle in Das große Evangelium Johannes wird uns gesagt, daß die urhebräische Sprache verwandt ist mit der Sprache „in der die nordischen Abkömmlinge Indiens in einer noch wenig verbenen Art ihren Gedanken Raum und Form geben.“

In dem Werk von Jakob Lorber Die Erde finden wir folgendes:

 

„Ganz in der Mitte von Asien, im hohen Tibet, lebt noch ein Volk, welches die uralte patriarchalische Verfassung hat. Unter allen alten Religionen der sogenannten Parsen und Gebern ist die Religion dieses Volkes noch die am meisten ungetrübte. Sie haben noch die eigentliche Sanskrit, in welcher von der Zenda vesta gehandelt wird; denn die Sanskrit ist die heilige Schrift der Urzeit, und die in dieser Schrift enthaltenen Geheimnisse Namens Zenda vesta, in eurer Sprache: "die heiligen Gesichte", sind historische Überlieferungen von den mannigfaltigen göttlichen wunderbaren Führungen des Menschengeschlechtes in der Urzeit. Es ist darum falsch, so hie und da manche die Sanskrit und die Zenda vesta als gewisserart zwei Bücher annehmen; das Ganze ist nur ein Buch, und dieses ist abgeteilt in das Buch der Kriege Jehova's, und in das Buch der Propheten. Da aber eben die Propheten durch ihre heiligen Gesichte die Taten Gottes beschreiben, so sind diese scheinbaren zwei Bücher eigentlich nur ein Buch, welches sich bei den obbenannten Bewohnern des hohen Tibet noch ziemlich unverfälscht vorfindet, und ungefähr dasselbe enthält, was Ich euch im von euch sogenannten Hauptwerke (Die Haushaltung Gottes Band 1) aus der Urzeit mitgeteilt habe; nur ist dort alles noch in der Ursprache in lauter geheimnisvolle Bilder eingehüllt, die für die neue Zeit schwer oder gar nicht zu enträtseln sind.“

 

Wir können also das Werke von Jakob Lorber lesen, Die Haushaltung Gottes, und haben dann etwas, was „ungefähr dasselbe enthält“, was das Buch enthält, das sich noch bei den Bewohnern des hohen Tibet vorfindet. Nur ist das, was man bei Lorber findet, in einer modernen Sprache vorhanden und ist nicht in einer Ursprache in lauter geheimnisvolle Bildern eingehüllt, die für die neue Zeit schwer oder gar nicht zu enträtseln sind.

Diese Information ist recht wertvoll, denn sie gibt uns einen Hinweis, die Sanskrit-Werke zu beurteilen. Die ursprünglichen Werke des Sanskrit sind wahrscheinlich ebenso in der Praxis der Religionisten des Ostens verfälscht worden wie die Werke der hebräischen Propheten in der Praxis der Religionisten des Westens.

Ein gutes Beispiel einer solchen Verfälschung ist das, was hier am Anfang stand:

 

„Ich aber frage und sage: Ja, warum denn das, so die Menschen doch an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele noch irgendeinen Glauben haben?! Die Ursache liegt tiefer, als ihr sie euch denken möget. Vorerst entstammt diese Trauer der Furcht vor dem Tode und nachher noch vielem anderen, das Ich euch aber nun nicht auf einmal auftischen kann und darf, um euch nicht bald im einen und bald im andern verwirrt zu machen. Ist eine Seele einmal völlig wiedergeboren und in alle wahre Lebenstätigkeit übergegangen, so ist wohl natürlich alle Trauer und alle die leere Furcht vor dem Sterben oder Vergehen vergangen.“

 

Wenn das, was sich Christenheit nennt, wirklich an die Unsterblichkeit der Seele glauben würde und wenn ihre Menschen wirklich in alle wahre Lebenstätigkeit übergegangen sein würden, dann gebe es ja keinen Grund, den Tod einer solchen Person zu betrauern, im Gegenteil, es wäre ja eine Gelegenheit, diesen Wechsel in das geistige Reich als freudiges Ereignis zu feiern. Die ganze Misere der Imitationskirchen kommt ja gerade bei Beerdigungen nur zu deutlichst zum Ausdruck, der ganze Jammer eines „christlichen“ Todesfalles spiegelt ja auch den ganzen Jammer der völlig toten Imitationskirchen wider.

Wir sollten also das, was die Religionisten hier im Westen uns anbieten, genau so von uns weisen, wie wir das von uns weisen sollten, was die Religionisten des Ostens anzubieten haben. Die ursprünglichen Lehren Gottes aber, die von diesen Leuten für ihre Zwecke mißbraucht wurden, sind in dem Licht zu sehen, das von ihnen wirklich ausgeht.

Wir wollen jetzt noch einmal zu dem ersten Sterbefall zurückkehren, dem Tod des Weibes des Nachbarn von Mathael, und uns die Beschreibung dort ansehen, die uns von dem Sterben einer „normalen“ Person gegeben wird. Ich wiederhole deshalb hier diese Beschreibung:

 

Mein Vater meinte ganz zuverlässig, daß ich im Hause des Nachbarn mit Geistern zusammenkommen werde, die mir zur Heilung der todkranken Nachbarin etwas ansagen würden, und so ward ich denn nolens volens (d.h. wollend oder nichtwollend) mitgenommen. Mein Vater hatte sich auch nicht geirrt; ich bekam wirklich eine Menge Geister - sicher gute und schlechte durcheinander - zu Gesichte. Aber mit dem Anraten irgendeines heilenden Mittels hatte es diesmal seine geweisten Wege; denn ein großer Geist, mit einem lichtgrauen Faltenkleid angetan, sagte zu mir, als ich ihn nach dem Wunsche meines Vaters um ein Heilmittel anging: >Sieh hin auf die Verscheidende! Ihre Seele entsteigt ja bereits ihrer Brustgrube, die der gewöhnliche Ausweg der Seele aus dem Leibe ist!<

Ich besah mir nun die Sterbende näher. Aus der Brustgrube erhob sich wie ein weißer Dunst, breitete sich über der Brustgrube immer mehr aus und wurde auch stets dichter; aber von irgendeiner menschlichen Gestalt merkte ich lange nichts. Als ich das so etwas bedenklich betrachtete, da sagte der lichtgraue große Geist zu mir: 'Sieh nur zu, wie eine Seele ihr irdisches Wohnhaus für immer und ewig verläßt!' Ich aber sagte: 'Warum hat denn diese scheidende Seele keine Gestalt, während doch ihr, die ihr auch pure Seelen seid, ganz ordentliche Menschengestalten habt?' Sagte der Geist: 'Warte nur ein wenig noch; wenn die Seele erst ganz aus dem Leibe sein wird, wird sie sich schon ganz fein zusammenklauben und wird dann auch recht schön und freundlich anzusehen sein!'

Während ich solchen Dunst über der Brustgrube der Kranken sich immer mehr ausbreiten und verdichten sah, lebte der Leib noch immer und stöhnte zuweilen wie jemand, der von einem schweren Traume geplagt wird. Nach etwa dem vierten Teile der Zeit einer römischen Stunde schwebte der Dunst in der Größe eines zwölfjährigen Mädchens etwa zwei Spannen hoch über des sterbenden Weibes Leib und war mit dessen Brustgrube nur noch durch eine fingerdicke Dampfsäule verbunden. Die Säule hatte eine rötliche Färbung, verlängerte sich bald und verkürzte sich auch wieder dann und wann; aber nach jedesmaligem Verlängern und abermaligem Verkürzen ward diese Dampfsäule dünner, und der Leib trat während der Verlängerungen stets in sichtlich schmerzhafte Zuckungen.

Nach etwa zwei römischen Stunden der Zeit nach ward diese Dampfsäule von der Brustgrube ganz frei, und das unterste Ende sah aus wie ein Gewächs mit sehr vielen Wurzelfasern. In dem Augenblick aber, als die Dampfsäule von der Brustgrube abgelöst ward, bemerkte ich zwei Erscheinungen. Die erste bestand in dem völligen Totwerden des Leibes, und die andere darin, daß die ganze weißneblige Dampfmasse sich in einem Augenblick in das mir nur zu wohlbekannte Weib des Nachbarn umwandelte. Alsogleich umkleidete sie sich mit einem weißen, faltenreichen Hemde, grüßte die umstehenden freundlichen Geister, fragte aber auch zugleich deutlich, wo sie nun sei und was mit ihr vorgegangen sei; auch verwunderte sie sich gleich höchlichst über die schöne Gegend, in der sie sich nun befinde.

 

Der Dunst den Mathael mit seinen geistersehenden Augen sah, war also schon die Seele, nur sah er sie nur als Dunst, weil sie sich in so hohen Schwingungen befand.

Das Entscheidende ist also nicht das Austreten der Seele aus dem Körper, denn das findet dauernd statt während unseres Erdendaseins, wahrscheinlich jede Nacht ein- oder mehrmals, sondern es ist dieses Loslösen des silbernen Strickes vom Körper, das den eigentlichen Tod der Person anzeigt.

Unsere Seele war ursprünglich ein vollkommenes göttliches Wesen, erschaffen im Bilde Gottes, und als sie sich dann von Gott abwandte und gegen ihn und seine Gesetze rebellierte, da mußte Gott Gegenmaßnahmen treffen die darin bestanden, daß er die Seele gefangen nahm und sie zu der Materie verhärtete und diese Materie mußte sich dann durch Dienen wieder hochentwickeln, vom Mineral zur Pflanze und von der Pflanze zum Tier und vom Tier dann zum Menschen.

Und dieser Sprung der Entwicklung vom Tier zum Menschen bestand eben darin, daß aus Tierseelen eine Menschenseele wurde. Ursprünglich hat Gott nur Wesen wie uns geschaffen, alles andere Physische um uns herum ist nur „Menschliches“ im Stadium der Rückentwicklung. Unser eigentliches Ich ist nur die Seele. Unser Körper, den wir beim Tod zurücklassen, ist nicht unser Ich, sondern sind seelische Bestandteile von Anderen, die in ihrer Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten sind.

Das „Zusammenklauben“ einer Seele könnte man sich etwa so erklären wie das Zusammenstellen von Daten einer Datei in einem Computer. Eine Datei, die man dauernd im Gebrauch hat, und die täglich etwas erweitert wird, wird auf der Festplatte so abgespeichert, daß sich jede Erweiterung irgend wo anders auf der Festplatte befindet. Wenn aber diese Datei das nächste mal aufgerufen wird, dann stellt der Computer in einem Moment alle diese Bruchteile zu einer einzigen Datei zusammen und wir können sie dann als komplette Datei auf dem Bildschirm sehen. Für Gott ist eine solche Zusammenstellung natürlich noch viel einfacher als für einen Computer.

In Bertha Duddes Werk ist folgende Erklärung zu finden:

 

„Und wieder vergingen endlose Zeiten der Entwicklung von diesen winzigen Lebewesen an bis zu der Tierwelt, die immer größere und stärkere Formen umfaßte, wo schon viel des gesammelten Geistigen sich vereinigt hatte, um immer wieder die Aufgabe zu erfüllen: die Erde nutzbar zu machen für das letzte Krönungswerk göttlicher Schöpfung - für den Menschen – der alle jene Vorstufen hatte durchschreiten müssen und nun seine Seele die Zusammensetzung aller jener Partikelchen ist, die einem einst gefallenen Urgeist angehörten und als aufgelöst durch sämtliche Schöpfungswerke hindurchgehen mußten, um sich auf diesem Wege wieder langsam zur Höhe zu entwickeln.“

 

Die menschliche Entwicklung betrifft nur die Seele, nicht den Körper. Unsere Körper sind individuelle Schöpfungen und nur unsere Seele durchschreitet einen Gang der Entwicklung. Jedes Lebewesen auf der Erde ist eine individuelle Schöpfung – körperlicherseits. Die Evolutionslehre, die sich mit der Entwicklung von Körpern beschäftigt, unterliegt einem grundlegenden Irrtum, der einfach schon dadurch erklärlich ist, daß es keine „Zwischenlebewesen“ zwischen den einzelnen Gattungen gibt. Würde es eine solche Entwicklung von einer Art zu einer anderen Art geben, dann müßten solche Lebewesen ja vorhanden sein, sie sind es aber nicht. Die Evolutionslehre ist also schon von der einfachsten Logik her unsinnig.

In einer Diskussion über dieses Thema las ich Folgendes: „Er hatte eine Reihe anderer ernsthafter Fehler in der evolutionären Kette entdeckt wie ... das Fehlen irgendeines bewiesenen Mechanismusses des Übergangs von niedrigen zu höheren Lebensformen...“

Hier folgen jetzt ein paar mehr Zitate aus der gleichen Quelle:

 

Zuerst dachte er über seine Wurzeln der Hinnahme der Evolution nach. Er kam zu dem Schluß, daß die heutige Wissenschaft keine irgendwie realistische, beweisbare Antwort zum Ursprung des Lebens lieferte. Er kam auch zu der Erkenntnis, daß, wegen der Inzucht der Theorie bei den Akademikern, die Evolution ein geschlossenes System des Denkens und der Förderung war, daß „wenn Evolutionisten behaupteten, die Theorie sei Tatsache, und die Theorie jedesmal änderten, wenn ein wissenschaftlicher Durchbruch Teile einer früheren Version widerlegte, die ganze Sache eine selbst-aufrechterhaltende Phantasie werden könnte.“ Er fand, daß er nicht mehr annehmen konnte, daß das Beweismaterial für Evolution überwältigend und sicher war. Dann, wegen einer zufälligen Begegnung und Unterhaltung mit einer Person die bei einem Flug die Bibel las, wurde ihm gesagt, (1) daß viele führende Wissenschaftler der Welt jetzt die Evolution ablehnen und an eine Schöpfung als eine Form der „intelligenten Planung“ glauben würden und (2) daß ihm irreführende Daten bezüglich der Evolution in der Schule gelehrt wurden. Weiterhin wurde er mit zwei Arten der Evolution bekannt gemacht, Mikroevolution und Makroevolution.

Er fand, daß neue wissenschaftliche Techniken, d.h. Elektronenmikroskop, nasse Chemie, DNA-Mapping, Laserpinzetten, usw, zum Vorschein brachten, wie viel komplizierter Leben ist als man es sich jemals vorgestellt hatte, und daß immer mehr Biochemiker die Theorie der Evolution als Grundursache des Lebens infrage stellten. Als er mit seinen Untersuchungen fortfuhr, ... blieb es dabei, daß er in Sackgassen der Evolution als die Antwort für den Ursprung des Lebens landete.

...Untersuchungen in die molekulare Anatomie des Lebens gingen weiter. Sie deckten seine weiteren Ergebnisse in DNA, RNA und Proteinfunktionen auf. Dies führte ihn mit noch mehr Wissenschaftlern (Astronomen, Mathematiker und Mikrobiologen) zusammen, die nun den zufälligen Ursprung von Leben unter Beschuß nahmen. Dies nährte seine Zweifel und führte ihn zurück zu der Entschlossenheit, daß das Kernproblem auf der molekularen Ebene sein mußte, die ihn zu einem „einfachen biologischen Phänomen führte, das in den biologischen Fachbüchern selten ins Einzelne gehend diskutiert wird und so gut wie nie von Evolutionisten angegangen wird,“ Chiralität.

Im Grunde genommen brachte ihn dies zu der Erkenntnis, daß das von der Chiralität aufgeworfene Problem allein schon die Wahrscheinlichkeit für den zufälligen Beginn des ersten Lebens eigentlich auf Null setzte.

Aus der Diskussion die folgte, ... wurde ihm bald klar, daß „Evolution anscheinend nicht das Problem war, es war die Bibel.“

... kam er zum Schluß, daß die akademische Welt falsche Gerüchte verbreitete genau so wie jemand anderes.

So kam er wieder zu dem Schluß, daß die einzige Alternative eine Art der intelligenten Planung ist – übernatürliche Schöpfung – oder was gemeinhin als „Gott“ definiert wird.

Er wurde über die Tatsache besorgt, daß intelligente Wissenschaftler sich nicht der Realität stellen.

Mit anderen Worten, gab Mr ... zu, daß er eher das Unmögliche übernimmt, als an einen übernatürlichen Schöpfer zu glauben. ... kam zu dem Schluß, daß viele Pädagogen und Wissenschaftler die Theorie der Evolution niemals aufgeben würden, weil wenn sie es tun würden, es ihnen keine andere Wahl ließe, als das Konzept eines Gottes zu akzeptieren.

 

Die obigen Zitate weisen recht deutlich auf die Tatsache hin, daß Evolution nichts weiter ist, als der Glaube von religiösen Fanatikern und daß es keine Evolution gibt, Evolution der Materie und Evolution von der Materie.

Die Entwicklung die stattfindet, findet auf einer anderen Ebene statt, auf der Ebene der Seele. Und somit sind wir wieder bei unserem Thema, die Seele beim Übergang von diesem Leben zum nächsten.

Dieser Entwicklungssprung von Tierseelen zur Menschenseele ist also eine Aufwärtsentwicklung – muß aber nicht immer eine solche Aufwärtsentwicklung sein. Da kann es so etwas wie eine Rückentwicklung geben und damit kommen wir zum zweiten Fall eines Todes den der Mathael schildert. Es ist der Fall der Raubmörder.

Ich wiederhole zunächst einmal einen Absatz von dieser Schilderung:

„Endlich erschien der fürchterliche Schreckenstag. Die Schergen und die Büttel kamen, und den sieben wurden auf offenem Platze bei Anwesenheit von Tausenden die Kleider ausgezogen bis auf ihre Scham, worauf sie blutig gegeißelt wurden. Ich konnte dieser Exekution nur von weitem zusehen, bemerkte aber dennoch, wie während dieser Behandlung eine Menge schwarzer Fledermäuse von den Gegeißelten wie ein Bienenschwarm hinaus- und hinwegflogen; auch wie kleine fliegende Drachen erhoben sich über den Gegeißelten, und diese dampften und rauchten nun schon um ein bedeutendes weniger.“

Diese Schilderung mag sich vielleicht recht okkultistisch anhören mit dem Hinaus- und Wegfliegen von Fledermäusen und Drachen.

Der Mathael hatte deshalb auch Fragen bezüglich dieser Angelegenheit. Lesen wir Folgendes:

 

Das, o Herr, ist nun abermals ein Histörchen, das ich erlebt habe in meiner Jugend, bei der mir sonst alles klar wäre, - nur die Gestalt der Seelen nicht, die aller menschlichen Form bar waren, und das vorher zahllos viele aus den Verruchten entflogene, mir sichtbar gewordene Geschmeiß von Fledermäusen und kleinen Drachen. Der große Geist gab mir freilich dahin wohl ein etwas erläuterndes Wort, daß dies nur Ausgeburten des bösen Willens seien; aber wie, - das ist eine ganz andere Frage, die außer Dir, o Herr, wohl niemand beantworten und lösen wird! Diese beiden könntest Du, o Herr, uns wohl lösen, so es genehm wäre Deinem heiligsten Willen!«

Sage Ich: »Ganz gut und wahr hast du deine Erzählung von dem, was du selbst erlebt hast, vorgetragen. Die bestiale Gestaltung der Seelen der bewußten sieben großen Verbrecher hat ihren Grund eben in einer gewissen freien Ordnung, aber freilich dahin nur, wie sich in einem Leibe die darin wirkenden Seelenspezifikalteile von neuem ergreifen oder umtauschen, was dem gleich ist, als wie ihr einen Knaul Würmer sehet, die da durcheinanderkriechen und -steigen und gewisserart eine ihnen stets bequemere Ruhelage suchen. Haben sie entweder in ihrer guten oder bösen Art eine gefunden, so wird die äußere Form gewiß stets eine der guten oder bösen Art entsprechende.

Seht hier mehrere Pflanzen; da steht eine heilsame, da eine giftvolle! Betrachtet bei dem sonnenhellen Lichte unserer Leuchtkugel die Formen! Sehet, wie geschmeidig, lieblich, sanft und bescheiden die heilsame Pflanze in ihrer Form anzusehen ist, und wie eckig, zerrissen und hie und da auch ganz verdächtig glatt die Giftpflanze dagegen in ihrer Form anzusehen ist, und dennoch bestehen beide Gattungen aus einer und derselben Ursubstanz, stehen in gleicher Erde, schlürfen denselben Tau ein, die ganz gleiche Luft und das gleiche Licht! Und dennoch ist in der heilsamen Pflanze alles heilsam, in der Giftpflanze aber ganz und gänzlich Gift! Der Grund liegt allein im Verkehren der Ordnung.

Ihr habt ja gesehen, wie zuvor aus den sich ganz ähnlichen Glühzungen oder umherschwebenden Feuerschlangen, die für das Fleischauge vor lauter Kleinheit nicht zu erschauen wären, sich ein vollkommener, ganz gemütlicher Esel herausgeformt hat; glaubt ihr, daß daraus bei einer andern Ordnung der sich zu einer ganzen organischen Form ergreifenden Ursubstanzen nicht ebensogut ein Tiger, ein Kamel, ein Ochse oder Elefant oder sonst etwas hätte entstehen können?! O ganz sicher! Und ein anders geordnetes Sich-Ergreifen hätte aber dann auch eine ganz andere Natur und Eigenschaft in sich, die einer andern ganz feindlich gegenüberstünde, und das darum, weil in jeder anders organisierten eigentümlichen Form fortwährend das Bestreben vorwaltend ist und zum größten Teile auch bleibt, alles andere und etwa Schwächere in seine Ordnung umzugestalten.

Aus dieser Eigenschaft gehet hervor die Liebe, die innere Wärme, das Bestreben, die Gier, der Hunger und der Durst. Ist diese Gier, die gleich der Herrschsucht ist, hie und da zu groß und haschet nach zu vielem, um es unter seine ursprüngliche Ordnung zu schieben, so wird das in sich Hineingeschobene nicht selten zu mächtig, ergreift die erste im Wesen schon seiende seelenorganische Ordnung, zieht sie in die eigene gute, bessere, aber gar leicht auch schlechte, schlechtere und am Ende gar allerschlechteste Ordnung!

Was geschieht aber dadurch? Mathael, nun komme mit deinen gesehenen tigergestaltigen Verbrecherseelen! Sie sind von jenen zu gierig zu sich genommenen Seelenursubstanzen, die zu ihrer Ordnung nicht taugten, zu übermäßig in sich aufgenommen worden; und diese haben dann erst ihre Seelen in das ihrige Überschlechte verkehrt und somit aus Menschenseelen wahre Tigerseelen gezeugt, und vom selben Ursprunge war auch all das Geschmeiß, das du den geängstigten Verbrechern massenhaft hast entsteigen sehen. Nun aber saget mir alle, ob ihr diese gar reichliche Lehre wohl allseits verstanden habt!«

Sagen die meisten: »Jawohl, Herr, wir verstanden diese Lehre jedenfalls so ziemlich; aber daß wir uns rühmen könnten, darin so recht zu Hause zu sein, da würden wir Lügner sein. Aus der früheren Gestaltung der Eselin haben wir wohl wahrgenommen und gesehen, wie aus den geistigen Ursubstanzen ein Ding oder Wesen wird. Wir sahen ja ordentlich das Gras wachsen, und wie sich gewisserart von selbst eine Eselin aus den Feuerzungen erschaffen hatte. Ja, wir wissen durch Deine Güte und Gnade sogar, was, wer und woher kommend diese Feuerzungen sind, und wie sie sich als verwandt zu irgendeiner ausgeprägten Idee und Form ergreifen können. Wir wissen es recht wohl, wie sich diese Deine zahllosesten Urgedanken, von denen die ganze Unendlichkeit strotzt, obschon sich der äußeren Erscheinlichkeit nach gleichsehend, in sich selbst dennoch sehr unterscheiden, leichter und schwerer sind, je nachdem sie in sich irgendeinen Sinn enthalten, der etwas Tieferes, Ernsteres und Gediegeneres in sich faßt, und wie die Verwandteren sich auch zunächst ergreifen und irgendein Organ zu bilden anfangen.

Wie gesagt, das alles begreifen wir nun ganz gut; aber etwas ist uns dabei dennoch ein starkes Rätsel, welches Du, o Herr, uns wohl lösen könntest, so es Dir genehm und wohlgefällig wäre. Wir alle aber brauchen es Dir sicher nicht anzugeben, wo es uns noch fehlt; denn Du kennst alle Lücken, die in uns sind, und wirst sie sicher noch ausfüllen mit Deiner Gnade, so Du es für notwendig erachtest! Sollte es für uns nicht von irgendeiner großen Wichtigkeit sein, so sind wir denn auch mit dem, was wir haben und verstehen, mehr als vollkommen zufrieden.«

Sage Ich: »Um das Geheimnis des Reiches Gottes zu fassen in aller Tiefe der Tiefen, müßt ihr alle zuvor im Geiste wiedergeboren sein, was für euch jetzt noch unmöglich ist. Erst wenn des Menschen Sohn wird dahin zurückgekehrt sein, von wannen Er gekommen ist, so wird Er dann den Geist aller Wahrheit, der heilig ist, zu euch senden; der wird euch erst völlig erwecken und wird vollenden eure Herzen und erwecken den Geist aller Wahrheit in euch, das heißt, im Herzen eurer Seele, und ihr werdet durch diesen Akt dann wiedergeboren sein im Geiste und im hellsten Lichte alles sehen und verstehen, was die Himmel fassen in ihren.

Das aber, was Ich euch nun zeige und erkläre, ist nur ein Vorbau zu dem, was euch in aller Fülle geben wird der Geist. Gar vieles hätte Ich euch noch zu sagen, aber ihr könntet es nun nicht ertragen; wenn aber der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch führen und leiten in alle Weisheit! Da ihr nun das wisset, so wollen wir gleich wieder einen bedeutenden und weiteren Vorbau an dieser Stätte beginnen, und unser vielerfahrener Mathael wird uns aus seinen Erlebnissen ein anderes Histörchen erzählen.

Und so mache du, Mathael, dich wieder ans Werk und erzähle uns die von dir erlebte und wohlgesehene Geschichte aus Bethanien! Wir haben noch vier Stunden bis zum Aufgange und können darum noch so manches erfahren und gleichsam miterleben, und du, Mathael, kannst nun gleich mit deiner Erzählung beginnen!«

 

Und dann kommt der Bericht des Mathael von dem was er bei dem Tod von Lazarus Vater gesehen und erlebt hat und da dieser, der Vater von Lazarus, ein Leben im Sinne Gottes geführt hatte, kam es bei der Loslösung der Seele vom Leib zu keinen Vibrationen und seine Seele hatte deshalb auch keine Schwierigkeiten, sich von dieser Erde zu verabschieden und auch seine Kinder, Lazarus und Maria und Martha, hatten keine Schwierigkeiten sich mit diesem Geschehen abzufinden, dieses kam aber erst dann zustande, nachdem der Mathael sie über den wahren Sachverhalt, den er mit seinen geister-sehenden Augen beobachtet hatte, aufgeklärt hatte und das berichtet hatte, was er gehört und gesehen hatte.

Und nachdem diese drei diese frohe Botschaft gehört hatten, gab es für sie keinen Grund mehr zu trauern, und sie wurden froh und die ganze Stimmung im Sterbehaushalt begann sich zu ändern und es kam dann zu einer Situation, wie sie auch in einem christlichen Haushalt sein sollte, wenn dort ein Mensch stirbt, der im Sinne Gottes gelebt hat.

 

Dieses ist das Ende von "Die Vibrationen der Seele"

Zu Kapitel: [32]

 

 

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