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Dieses ist das 65. Kapitel von "Die Imitationskirche."

 

65. Warum starb Lazarus?

Frank L. Preuss

 

In dem ersten Buch dieser Website, in dem Buch mit dem Titel "Kann man Glauben messen?" hatten wir uns bereits mit Lazarus beschäftigt. Das war dort in den Abschnitten "3.3 Glaubensziel setzen" und "3.4 Was ist Wahrheit?" und da ging es um Jesus Gebrauch von Worten des Glaubens. Und in diesem Buch, "Die Imitationskirche," hatten wir das Kapitel "29. Der silberne Strick – Teil 1" und da hatten wir uns die Umstände beim Tod von Lazarus Vater, Simon dem Aussätzigen, angesehen.

Hier, in diesem 65. Kapitel des Buches "Die Imitationskirche," wollen wir uns nun mit dem Grund beschäftigen, warum Lazarus starb.

Wir werden uns hierbei auf das Werk "Das große Evangelium Johannes" (1851-1864) stützen, das von Jakob Lorber verfaßt wurde; der letzte Band, Band 11, um den es hier geht, wurde allerdings 1891-1893 von Leopold Engel (1858-1931) niedergeschrieben, und nicht von Jakob Lorber (1800-1864).

Wir beginnen mit der Beschreibung der Umstände, wie Jesus sich auf den Weg zu Lazarus macht:

jl.ev11.032,04-13
   04] Danach beruhigten sich die Jünger über Meine Absicht, und Ich sagte ihnen weiter: »lhr wisset doch, daß unser Freund Lazarus krank liegt und seine Schwestern nach Mir aussandten! Sollte Ich nun etwa aus Furcht vor den Juden den Bittenden nicht willfahren?«
   05] Fragte Mich Johannes: »Herr, Dir ist doch alles bekannt! Wie steht es denn um unseren Freund Lazarus?«
   06]  Antwortete Ich: »Er schläft, - aber Ich gehe, ihn aufzuwecken.«
   07]  Meinten da die Jünger untereinander, welche glaubten, Ich spräche vom leiblichen Schlafe: »Herr, wenn er schläft, so wird seine Krankheit sicherlich bald von ihm weichen; denn nichts bringt einen Kranken eher wieder zu Kräften als ein gesunder Schlaf!«
   08]  Antwortete Ich: »Da habt ihr wohl recht, aber dennoch irrt ihr euch; denn Lazarus schläft nicht den Schlaf des Leibes, sondern ist gestorben.«
   09] Über diese Erklärung erschraken die Jünger, um so mehr, als sie Lazarus vor nicht langer Zeit frisch und gesund gesehen hatten. Es erhob sich daher ein lautes Gemurmel des Beileides unter ihnen und schließlich ein ängstliches Gefrage, ob denn da nicht doch noch zu helfen sei, da er vielleicht nur scheintot sei, und ob Meine Kraft ihn nicht erwecken würde.
   10a]  Sagte Ich: »Lazarus ist tot und liegt längst im Grabe; aber Ich werde ihn dennoch erwecken. Deswegen verblieb Ich ja so lange hier, damit niemand sagen könne, er sei nicht wirklich gestorben, und damit durch dieses letzte öffentliche Zeichen, das Ich wirken werde, die schwachen Gemüter völlig gläubig würden.
   10b]  Ich freue Mich aber nun euretwillen, daß Ich nicht zugegen gewesen bin, und daß der Vater in Mir befahl, also zu tun, damit ihr und nun noch viele andere glauben mögen. Und darum werden wir morgen nach Bethanien ziehen.«
   11] Es gaben sich nun alle zufrieden.
   12]  Nur Thomas, der stets von oftmaliger Zweifelsucht geplagt wurde und trotz seines Glaubens an Mein Wort dennoch die Pharisäer und Juden sehr fürchtete, sagte zu den Brüdern: »Laßt uns jedenfalls mit Ihm ziehen, damit wir mit Ihm sterben, falls die Juden Hand an Ihn legen sollten!«
   13] Jakobus verwies ihm jedoch diese Rede und deutete darauf hin, daß bisher noch niemand irgendwelche Gewalt über Mich gehabt habe, trotz der vielen Versuche hierzu. Daraufhin gab sich auch Thomas zufrieden, und es entstand ein großes Schweigen in der Gesellschaft, da jeder mit seinen Gedanken beschäftigt war.

Im Vers 12 wird Thomas beschrieben, daß er die Pharisäer und Juden sehr fürchtete, und das ist das eigentliche Thema, um das es hier bei unserer Diskussion wirklich geht, um den Einfluß der Templer, der Kirchenmänner, der Kleriker, der Pfaffen, in unserer Beziehung zu Gott, zu Jesus.

Lazarus starb, weil er sich diesem Einfluß, diesem negative Einfluß, nicht entziehen konnte.

Und nun kommen wir gleich zu diesem Einfluß und wie er sich auf Lazarus auswirkte. Das nächste Zitat trägt die Überschrift "Ärger mit Tempel als Ursache des Todes von Lazarus":

jl.ev11.033,05-10
   05] Wie schon bekannt, war Lazarus einer der reichsten Männer von ganz Judäa, und da er ohne Leibeserben gestorben war, so gehörte nach dem Tempelgesetz ein Drittel seines gesamten Vermögens dem Tempel an, während seine Schwestern, die ohne männlichen Familienschutz - Lazarus hatte keine weiteren nahen Verwandten - waren, der Oberhoheit des Tempels unterstanden, der eine höchst unbequeme Vormundschaft in solchen Fällen ausübte. Die Pharisäer und Tempeljuden waren schon längst sehr begierig auf den reichen Besitz des Lazarus und hatten, wie bekannt, schon allerhand Schliche und Ränke ersonnen, den Lazarus in ihre Finger zu bekommen, um möglichst das gesamte reiche Erbe sicher in ihre Hände zu bringen. Mit den beiden Schwestern fertig zu werden, schien ihnen nicht allzu schwer.
   06] Lazarus hatte aber alle keck vorgebrachten Ansprüche und Anerbietungen zurückgewiesen und ärgerte sich wegen der Zudringlichkeit des Tempelgeschmeißes oft so sehr, daß Ich ihn warnte, seine Hitze abzulegen, da dieses böse Folgen für ihn haben könne. Er befolgte auch Meinen Rat nach Kräften und wurde, seit Ich ihm die bewußten Hunde (früheres Ereignis, als Jesus Lazarus große Hunde zum Schutz gegen die Pharisäer schenkte, d. Hrsg.) zugeführt, wegen Mangels an Belästigung auch bei weitem ruhiger.
   07] Jetzt jedoch, kurz vor seinem Tode, hatte er wieder einen Strauß mit den Tempelmitgliedern, indem diese ihn angeklagt hatten, er ließe es an der nötigen Achtung des Tempels fehlen, was so weit ginge, daß er die Mitglieder desselben, die in der besten Absicht der Seelsorge zu ihm kämen, mit Gewalt vertreibe und seine Leute sogar von dem Besuche des Tempels und von den notwendigen Buß- und Reinigungsopfern abhalte.
   08] Wußten auch die Templer, daß diese und ähnliche Lügen, sowie das Bemühen, ihn als Freund des Volksaufwieglers Jesus auch den Römern verdächtig zu machen, hinfällig waren, so rechneten sie doch auf die bekannte Hitze seines Charakters, wodurch er vielleicht bei etwaigen Verhören unvorsichtig sich Blößen gäbe, durch die es möglich sei, ihn an den Tempel zu fesseln, so daß er, um freizukommen, mindestens große Versprechungen, die auf das Erbe Bezug hatten, hätte machen müssen.
   09] Lazarus durchschaute diese geschickten Pläne sehr wohl, wies die Anklagen, die gegen ihn erhoben wurden, vor dem römischen Statthalter gewichtig zurück, so daß er frei ausging, ohne dabei äußerlich sichtliche Erregung gezeigt zu haben.
   10] Um so mehr kochte es jedoch in ihm, so daß er in ein hitziges Gallenfieber verfiel, das ihm in kürzester Zeit den Tod brachte. Das war schon durch die Antwort angedeutet, die Ich dem Knechte gab, und auch durch die Worte an Meine Jünger.

Gleich im ersten Vers erfahren wir, worum es bei den Klerikern in Wirklichkeit geht. Die "Geistlichen" sind sehr gierig auf den Besitz ihrer Laien und haben allerhand Schliche und Ränke ersonnen, die Menschen in ihre Finger zu bekommen, um möglichst das gesamte Erbe sicher in ihre Hände zu bringen. Dies ist ein typisches Merkmal nicht nur der Religionisten, sondern oft auch ihrer Anhänger. Und oft warten sie nicht einmal, bis das Erbe entsteht, sonder versuchen bereits, vor dem Tod an den Besitz zu kommen.

Und der zweite Vers beschreibt das eigentliche Problem und das ist, daß sich die Menschen nicht von diesen Kirchenmännern lossagen und sich von ihnen trennen.

Sie ärgern sich und verlieren ihren Frieden und lassen sich von diesen Prophetenmördern umbringen.

Jesus warnte Lazarus, und somit auch uns, aber Lazarus, und auch viele von uns, oder eher die meisten von uns, hören nicht auf diese Warnung, und leiden und sterben sogar an dieser Krankheit, an diesem Pharisäertum, diesem Kirchengeschmeiß.

Lazarus durchschaute die Pharisäer, aber das war auch alles, er ließ sich weiterhin von ihnen um seinen Frieden bringen und um seine Gesundheit und um sein Leben.

Es kochte in ihm, aber er hielt an seinen Beziehungen zur Kirche fest und konnte sich von ihren Dienern Satans nicht trennen. Sie brachten ihn um.

Das Wort Gottes sagt den Christen, sie sollen dem Teufel Widerstand leisten, sie aber hören nicht auf Gottes Wort und fahren damit fort, brav ihre Kirchensteuer zu bezahlen und die Diener Satans zu füttern und zu mästen. Sie bleiben Mitglieder des Vereins der Prophetenmörder. Sie geben über sich selbst Zeugnis, daß sie die Kinder derer sind, die die Propheten getötet haben.

Und nun weiter zu dem Verhalten der Pfaffen:

jl.ev11.034,04
   04] Maria und Martha hatten, obgleich sie ja nicht frei waren von den eingefleischten Gebräuchen ihres Volkes, wenig Neigung zu dem bedrückenden Formelkram, zudem sie von dem geistigen Fortleben innigst überzeugt waren. Sie erwarteten sehnsüchtigst Mein Kommen, um den rechten Trost an Meinem Wort zu finden. Wenn auch der Gedanke, Ich würde ihnen den Bruder erwecken, nicht in ihren Seelen aufgestiegen war, so hofften sie aber doch, bei Mir Rat und Hilfe vor den sich sofort breitmachenden Pharisäern zu finden, die bereits mit lüsternen Augen das fette Erbe betrachteten und sich mit der Tempelwache schon eingefunden hatten, um sich das Erbe zu sichern.

Jetzt kommt eine Aussage über Glauben:

jl.ev11.034,12
   12] Martha aber, wie auch ihre Schwester Maria hatten über den ihnen fast unüberwindlich scheinenden Schicksalsschlag eine solche Zagheit der Seele erhalten, daß nur die große Trübsal, in der sie sich befanden, vorläufig vor ihren Augen stand und der frühere feste Glaube zu Mir und Meiner Sendung völlig in den Hintergrund trat, - wie denn meistens die Menschen sich scheinbar recht stark im Glauben bekunden, solange die äußeren Lebensverhältnisse recht günstige sind, sofort aber wieder in Zagheit, ja Unglauben verfallen, sobald eine kleine Prüfung an sie herantritt, die sodann nach ihrer Meinung Gott hätte schon darum abwenden müssen, weil sie sich doch zu den Gläubigen zählen, - daher Gott geradezu die Verpflichtung habe, sie vor jedem Übel zu schützen.

Wir sollten uns an diese Aussage von Jesus erinnern, wenn kleine Prüfungen an uns herantreten, und wir sollten sie benutzen, sie als Gelegenheiten zu erkennen, als Prüfungen, und nicht zaghaft werden oder gar in Unlgauben verfallen.

Der nächste Vers ist hilfreich:

jl.ev11.034,13
   13] Wie lange werden noch die unmündigen Kinder dem Lehrer Anweisungen zu geben sich erdreisten, wie er sie erziehen soll?! Ich, der Lehrer, erziehe aber Meine Kinder nicht, wie sie wollen. sondern wie es für sie zum Besten ist.

Eine Prüfung ist also Teil unserer Erziehung.

Und wir bleiben beim Thema Glauben:

jl.ev11.035,16-18
   16] Diesen Vorgang in Mir bezeichnet der Evangelist mit den Worten:  'Er ergrimmte im Geiste und betrübte sich selbst'. Denn bevor Mein Leib nicht gestorben war, war, wie bei jedem Menschen, noch nicht die völlige Verschmelzung des Materiellen und Geistigen vor sich gegangen, sondern es forderte des Menschen Sohn ebensosehr seine Rechte als Körpermensch wie jeder andere, war untertan den Bedürfnissen des Leibes wie auch den Seelenstimmungen, die nur durch den Glauben und festes Wollen sich aus Zweifeln zum Wissen emporhoben und so die völlige Einigung von Körper, Seele und Geist hervorriefen.
   17] Von jenem Augenblick an, wo in dem einsamen Tal die Gottheit in Mir den letzten Versuch gemacht hatte, mit Luzifer zu rechten, trat auch der Menschensohn wieder mehr in den Vordergrund, der in Gethsemane schließlich alle Seelenängste und Vorkosten des Todes durchmachen mußte, um alle Riegel des Todes, Unglaubens und Zweifels zu zerbrechen, unbeschadet der in ihm wohnenden allmächtigen Gottheit, die mit einem Worte ihre Schöpfung hätte vernichten können, Sich aber Selbst tiefer als die niedrigste Kreatur demütigte, um sie zu retten. -
   18] Diese Worte sind sehr notwendig, daß jeder sie wohl in sein Herz aufnehme und begreifen lerne, ansonst er nie verstehen wird, warum Ich ins Fleisch kam, litt und starb, und wodurch diese scheinbare Doppelnatur des Menschensohnes und Gottessohnes begründet wird.

Durch Glauben und festes Wollen sich aus Zweifeln zum Wissen emporheben.

Und so die völlige Einigung von Körper, Seele und Geist hervorrufen.

Und noch einmal Glauben:

jl.ev11.036,10
   10] Und Ich wandte Mich an Meinen Jünger Johannes, der Mir zur Seite schritt und sagte zu ihm: »Johannes, wenn du berichtest über die Tat, die auszuführen Ich Mich jetzt zum Grabe begebe, so berichte auch über jene Zweifler, damit die Nachwelt ein deutliches Zeichen habe, wie wenig die Wunderwerke nützen, und daß alle Kraft nur im Worte lebt, das vom Glauben durchweht ist! Darum sollen aber auch in späteren Tagen die Meinen nur mit dieser schärfsten Waffe kämpfen; denn was da von Gott ist, sei untrügbar durch das innere, bleibende Wesen!«

Alle Kraft lebt nur im Worte, das vom Glauben durchweht ist.

Und ein weiteres mal:

jl.ev11.037,02
   02] Ich aber hob ihn auf, drückte ihn an Meine Brust und sagte: »Lazarus, du hast den Tod durch Mich überwunden, - sorge, daß du dieses auch ohne Meine Hilfe könnest; denn wahrhaft frei ist der Mensch erst von allen Banden des Todes, wenn er aus sich heraus Meine Kraft an sich reißt und sodann als Sieger und Herrscher hervortritt aus der Grabeshöhle, in der seine Seele schlummerte! - Jetzt aber gehe hinein und stärke dich, damit dein Leib neue Kräfte sammle zum irdischen Leben!«

Wahrhaft frei ist der Mensch erst von allen Banden des Todes, wenn er aus sich heraus Meine Kraft an sich reißt und sodann als Sieger und Herrscher hervortritt aus der Grabeshöhle, in der seine Seele schlummerte!

Wir wenden uns jetzt wieder den Pharisäern zu:

jl.ev11.038,04
   04] Dieser Plan war insofern ganz gut, als die beiden Pharisäer, welche ausgesucht waren, Mich und Lazarus zu begrüßen, in hohem Ansehen standen und es gegen allen Anstand und alle Sitte gewesen wäre, etwa diesen hohen Priestern nicht entgegenzukommen, falls sie ein Haus mit ihrer Gegenwart zu beehren dachten. Wären wir echte Juden der damaligen Zeit gewesen, so hätten wir sofort Haus und Gesinde diesen hohen Gästen gänzlich zur Verfügung stellen müssen, ansonst es dem Lazarus als eine höchste Mißachtung des Tempels und seiner Vertreter angerechnet worden wäre.

Ein echter "Geistlicher" will als Erster anderkannt und behandlet werden. Und dies trifft auch im sogenannten Gottesdienst zu wo, zum Beispiel, alle aufstehen, wenn er die Kirche betritt, und wo er das Sagen hat, und alle anderen nur Zuhörer sind, und noch nicht einmal Fragen äußern würden. Ein solcher Diotrephes will kein Diener der anderen sein, sondern bedient werden.

jl.ev11.038,07-09 + jl.ev11.039,01-02
   07] Die Pharisäer waren unterdessen mit den Tempelschergen herangekommen und waren so weit vom Haus entfernt, um sich noch ungesehen ein Versteck als Hinterhalt auszusuchen. Nochmals berieten sie ihren Plan, und wie es ihnen hauptsächlich darum zu tun sei, Mich in die Gewalt zu bekommen, damit Mir sogleich als Betrüger und Volksaufwiegler der Prozeß gemacht werden könne.
   08] Sie waren etwa zehn Minuten von Bethanien entfernt bei einer Wegkrümmung, die ihnen die Häuser noch verbarg. Es wollten sich die beiden hohen Priester nun auf den Weg machen mit einem Diener, der ihre Ankunft im Hause melden sollte, - als ihre Rechnung einen garstigen Strich erhielt.
   09] Mit einem wütenden Gebell stürzten nämlich die bekannten großen Schutzhunde hervor und umringten die ganze Schar in so furchterregender Weise, daß sich keiner zu rühren getraute. Diese Hunde, welche dem Lazarus von Mir gegeben worden waren, hatten seit seinem Tode sich völlig teilnahmslos verhalten und waren nicht mehr zu bewegen gewesen, ihr Schutz- und Wächteramt zu versehen, weswegen auch die Templer sich ganz ungehindert breitmachen konnten. Nun aber, da Lazarus lebte, war auch die alte Kraft und Lebendigkeit in sie zurückgekehrt, die sich in für die Pharisäer höchst unerfreulicher Weise bemerkbar machte. Die riesigen Tiere umkreisten die Schar zähnefletschend, und als einer der Knechte wagte, nach einem der Tiere zu schlagen, lag er auch sofort am Boden und lief Gefahr, zerrissen zu werden. Dieses eine Beispiel genügte, um die Schergen abzuhalten, von ihren Waffen Gebrauch zu machen, zumal die Tiere sich begnügten, die ganze Gesellschaft festzustellen, ohne sie anzugreifen, aber auch ohne sie vom Platze zu lassen.
   01] Ich teilte dem Lazarus und den Anwesenden mit, was draußen geschehen war, und forderte sie auf, mit Mir hinauszugehen, damit sie sich von der Wahrheit überzeugten, und damit noch ein Versuch gemacht würde, die Pharisäer zu belehren, daß hier ihre Macht völlig ohnmächtig wäre. Wir taten also und gingen nun zu den Gefangenen.
   02] Dort angekommen, forderte Ich die Schergen auf, freiwillig sich ihrer Waffen zu entledigen, was diese auch sofort taten. Ein Knecht des Lazarus nahm diese in Empfang, und alsbald legten sich auch die großen Hunde ringsherum ruhig nieder, immer aber ihre Feinde scharf beobachtend und bereit, auf einen Wink ihres Herrn sich auf diese zu stürzen.

Wenn immer unter den Kindern Gottes jemand auftritt und die Kraft Gottes demonstriert und der als ein Prophet die Werke Gottes vollbringt, dann ist es der Klerus, der sich sofort bedroht fühlt und die Botschaft von Gott zu unterdrücken versucht und den Überbringer ums Leben bringen will.

Die Kleriker sind Diebe, da sie das Geld, das die Mitglieder der Kirche hereinbringen, an die Armern zu verteilen ist, sie aber es von den Armen stehlen, in dem sie es nicht den Armen geben, sondern sich damit ein Gehalt auszahlen. Und sie sind Prophetenmörder, die einen Propheten immer nach dem Leben trachten. Die zweitausend-jährige Geschichte der Imitationskirche weist eine lange Reihe von Heiligen auf, die von den "Geistlichten" verfolgt, gefoltert, verbrannt und mordet wurden.

Und die Anhänger dieser "Geistlichten" wachen nicht auf und kehren sich ab, sondern bleiben die Kinder derer, die die Propheten getötet haben.

Es ist fast immer so gewesen, daß die Priester ihr Wissen um geistige Dinge mißbraucht haben und damit schwarz Magie praktiziert haben. Helena Blavatsky drückt es so aus: "Die Bibel, vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung, ist nichts als eine Reihe von historischen Berichten des großen Kampfes zwischen weißer und schwarzer Magie, zwischen den Eingeweihten des rechten Weges, den Propheten, und solchen des linken, den Leviten, den Klerikern der brutalen Massen."

Die Kleriker und ihre Anhänger gehören zum Regiment des Antichristen und werden sein Schicksal teilen.

jl.ev11.039,07-08
   07] Nach diesen Worten erhoben sich die sieben großen Hunde und jagten mit Gebell die Templer und Schergen den Weg nach Jerusalem entlang, den diese springend und stürzend in äußerster Angst und Geschwindigkeit zurücklegten und nicht eher ruhten, bis die sicheren Stadtmauern Jerusalems sie bargen, bis zu denen die Tiere sie verfolgten, ehe sie zurückkehrten.
   08] Von dem Tage an hatte Lazarus, trotz der bösen Anschläge des Rates, sowohl in Bethanien als auf dem Ölberg, völlige Ruhe; denn dort hinaus wagte sich der Hunde wegen kein feindlicher Priester noch Tempelscherge mehr.

So ist es, wie wir mit Pfaffen, sogenannten Theologen, Pastoren und Klerikern verfahren sollten. Sie sollten es nicht wagen, sich uns zu nähern.

Wir leisten dem Teufel Widerstand.

jl.ev11.040,04-09
   04] Die anwesenden Freunde und Meine Jünger fragten noch gar mancherlei, was jedoch Lazarus ihnen nicht beantworten konnte, - so nach den Gesprächen, die er geführt, wo er sich befunden habe und so manches andere, was, wie sie vermeinten, ihnen noch nähere Aufschlüsse geben könne über das Leben in der Geisterwelt. Es zeigte sich jedoch, daß Lazarus nichts von alledem wußte.
   05] Nun fragten sie Mich nach der Ursache dieses Vergessens, und Ich sagte ihnen: »Wenn ihr gefangen seid in einem Kerker, und es wird euch die Freiheit auf kurze Zeit gegeben, so daß ihr ungehindert umherstreifen und euch mit ebenso gänzlich freien Wesen auf das beste unterhalten könnet über viele Wunder der Natur, die in der lieblichsten Gegend euch ganz von selbst ins Auge fallen, und ihr werdet gezwungen, in den alten Kerker wieder einzutreten, der jedoch früher euch gar nicht einmal als Gefängnis erschien, solange ihr nichts Besseres kennengelernt hattet, - wird sich nicht eure Seele dann verzehren nach Wiedererlangung der so kurz genossenen Freiheit? Ja, wird ihr das Zwangsleben nicht unerträglich werden, da sie stündlich sich die Herrlichkeit der genossenen Freiheit vormalt, wenn die Erinnerung die freudigen Stunden stets wieder belebt?
   06] Seht, so ist es Lazarus ergangen! Ich habe ihm aber die Erinnerung für das, was mit ihm in den vier Tagen, da er im Grabe gelegen, geschehen ist, deswegen genommen, weil er berufen ist, noch viel auf dieser Erde für Mich zu wirken. Ihm würde aber die Sehnsucht nach Wiedererlangung der einmal genossenen vollen Freiheit hinderlich sein, falls diese verzehrende Sehnsucht in ihm wüchse.
   07] Es ist daher schon ganz gut, so wie es ist, und ihr alle werdet es noch leicht einsehen, wenn auch ihr einst werdet die Leiber von euch geworfen haben. Außerdem habt ihr selbst in diesem Hause so viel schon erfahren von dem Leben nach dem Tode, daß eure Fragen mehr müßiges Geschwätz bedeuten als eine Ergründung des Lebens nach dem Tode, von dem ein jeder von euch denn doch nun schon zur Übergenüge überzeugt sein muß!«
   08] Sagte Lazarus zu Mir: »Herr, Du sprichst von einem Amte, das mir zu wirken noch hier vergönnt sein wird. Darf ich wissen, wie denn da das Wirken für Dich gemeint ist?«
   09] Sagte Ich: »Das ergibt sich alles in der Folge von selbst; denn Meine Hand leitet dich und alle, die für Mein Reich zu arbeiten berufen sind, in so sanfter Art, daß sie glauben könnten, es geschähe nur aus eigenem Antriebe. Und es geschieht das im Urgrunde auch; denn will Ich freie Wesen, so muß die freie Entschließung ihnen anheimgestellt bleiben. Nur die äußeren Vorkommnisse kann Ich so leiten, daß Meinen Dienern die Entscheidung zwischen zwei Wegen, die sie zu wandeln hätten, zufällt. Meine wahren Kinder werden dann aus Liebe zu Mir nie im Zweifel sein, welcher Weg der rechte ist. Immer aber muß der Willensimpuls von ihnen ausgehen.

Wir sollten nicht vergessen, daß wir hier in der Materie als Gefangene eingekerkert sind und es unser Ziel sein muß, uns aus dieser Gefangenschaft für immer zu befreien und uns frei zu machen von der Materie. Es ist gerade der Einfluß des Klerus, der uns weiter an die physische Welt binden will, denn die Kleriker selbst lieben weltliche Dinge und wollen Macht, und Geld und Wohlleben.

Lazarus war nun sehr erfreut, als Jesus von Lazarus künftigen Aufgaben spricht und will mehr darüber wissen und Jesus sagt dann etwas recht Wichtiges: Das ergibt sich alles in der Folge von selbst.

Wenn wir vom Geist Gottes geleitet sind, da ergibt sich tatsächlich alles von selbst. Wir tun, was anfällt, und fahren mit unseren weltlichen Aufgaben fort, und je mehr wir in das Wissen um das Wort Gottet einsteigen, je geringer wird unsere weltliche Arbeit werden und je mehr werden wir uns mit geistigen Aufgaben befassen und irgendwann werden wir feststellen, daß wir uns nur noch mit der Arbeit für Gott beschäftigen.

Wir beabsichtigen niemals in die vollzeitliche Arbeit für Gott umzusteigen, wenn dies damit verbunden ist, daß wir unseren weltlichen Job aufgeben und nun einen geistigen Job anfangen, um damit unseren Lebensunterhalt zu verdienen.

Wir machen nicht mit dem Worte Gottes ein Geschäft (2 Korinther 2,17) und wir meinen nicht, Gottseligkeit sei ein Gewerbe (1 Timotheus 6,5).

Es ist eins der einfachsten Merkmale eines Prophetenmörders, daß er Geld für seine Arbeit erhält. Wir brauchen uns nur anzusehen, wo sein Einkommen her kommt, das ist alles.

Was sollte man nun mit diesen Klerikern tun?

jl.ev11.041,15
   15] Wir - das ist Lazarus mit seinen Schwestern und die Apostel, sowie selbstverständlich Ich - saßen an einem Ende des Saales etwas abseits. Lazarus warf jetzt die Frage auf, was denn die Pharisäer nun wohl zu tun gedächten, nachdem sie so übel von den großen Hunden bedient und nach Jerusalem zurückgejagt worden waren.

Man sollte es wie Jesus tun und sie mit Hunden die Straße runter aus der Stadt jagen.

Und jetzt noch ein Rat:

jl.ev11.041,19
   19] Es erhebt sich jetzt einer von den ersten Schriftgelehrten und spricht: 'Es ist zweifellos, dieser Mensch tut große Wunder, weswegen denn auch schon der Tempel sich viele Mühe gegeben hat, ihn für sich zu gewinnen, aber stets ohne Erfolg. Ebenso gewiß ist aber auch, daß er stets gegen die Diener geeifert und die Mißachtung im Volke gegen uns, die Diener Gottes, bis auf das Höchste gefördert hat.

Wir sollten stets gegen die Diener Satans eifern und die Mißachtung im Volke gegen sie, die Diener Satans, bis aufs Höchste fördern.

jl.ev11.042,01
   01] Sagte Lazarus: »O Herr, Du wirst Dich dieser Brut doch nicht Selbst überliefern, die nur würdig ist, baldigst vernichtet zu werden?!«

Diese Brut ist würdig, baldigst vernichtet zu werden, sagt Lazarus. Doch es wird wohl erst etwa zwei Jahrtausen später geschehen.

Und jetzt kommt Jesus Reaktion auf den Vorschlag von Lazarus:

jl.ev11.042,02-04
   02] Sagte Ich: »Was da zu geschehen hat, liegt im Willen des Vaters. Sein Wille geschehe; der Sohn aber hat zu gehorchen! Kümmere dich daher um nichts, was da nicht deines Amtes ist, sondern sorge, daß auch du fortschreitest im Erkennen des Willens deines und Meines Vaters!«
   03] Fragte Mich Lazarus: »Herr, bist Du denn nicht der Vater?«
   04] Sagte Ich: »Ich bin es, und doch kommt jetzt die Zeit, wo der Vater in Mir Sich zurückziehen muß, damit der Sohn frei entscheide. Was Ich euch soeben offenbarte, was drunten im Tempel vor sich geht, das ist der erste Schritt, damit der Sohn Sich entscheide. Und glaubet Mir, Er hat Sich bereits entschieden, damit das Volk nicht untergeht! Doch fraget jetzt nicht weiter, sondern sorget, daß alle diese Anwesenden keinerlei entbehren; denn sie sind zum letzten Male in Meiner irdischen Nähe als Kinder, für die Ich leiblich sorge!«

Hier haben wir eine klare Aussage, wer Jesus wirklich ist. Jesus ist der Vater.

jl.ev11.042,12
   12] Die ganze Gesellschaft blieb bis zum Sonnenuntergang bei Lazarus zusammen, worauf sie sich von ihm und von Mir mit Worten des herzlichsten Dankes verabschiedete und wieder nach Jerusalem zurückkehrte, um das Wunder dort noch weiterzutragen, so daß Lazarus in den nächsten Tagen nichts anderes zu tun hatte, als nur durch Zeigen seiner Person der allgemeinen Neugierde und Bewunderung gerecht zu werden. Dabei unterließ er es nicht, eifrigst auf Mich und Mein Wort hinzuweisen und hielt auch - zum größten Verdruß des Tempels - mit der Erzählung, wie die Pharisäer sich auf seinen Gütern benommen hatten, und wie dieselben bedient worden waren, nicht hinter dem Berge, so daß der Spottlust der Juden völlig freier Lauf gelassen wurde. Daß auch diese ganze Angelegenheit sehr dazu diente, das Ansehen der Pharisäer zu untergraben und die Habsucht des Tempels recht augenfällig darzutun, liegt auf der Hand, weswegen denn auch langsam unter dem Rate der Entschluß reifte, ihn ebenfalls zu beseitigen, was auch sicherlich gelungen wäre, wenn Lazarus nicht durch seine Hunde so gut geschützt worden wäre, daß keine irdische Leibwache eines Fürsten bessere Wächter hätte abgeben können.

Auch wir sollten dazu beitragen, das Ansehen der Pharisäer zu untergraben und die Habsucht der Kirchen recht augenfällig darzutun.

Wenn wir wirkliche Jünger von Jesus werden, dann werden auch wir durch seine Hunde gut geschützt sein.

jl.ev11.042,15
   15] Es meldeten sich da viele, als sie hörten, es sei mit Meinem Segen, wenn sie gingen. Nur die zwölf Apostel und noch etwa zwanzig Personen, welche sich nicht trennen wollten von Mir, blieben übrig, Mir auch dahin zu folgen, wohin Ich sie immer führen würde. Ich segnete denn auch diese, wie Ich versprochen, und ermahnte alle, fest an Meinem Worte zu hangen und dieses weiterzuverbreiten. Zum Osterfest würden sie Mich hier wiederfinden, wo sie Mich verlassen.

Wir folgen Jesus, wohin er uns immer führen wird.

jl.ev11.043,03-04
   03] Antwortete Johannes: »Herr, Lazarus war Dir ganz besonders teuer wegen seines gerechten Lebenswandels vor Dir und mußte doch sterben an einer Krankheit, die er sich selbst durch sein Verschulden zugezogen hatte. Ist das nicht ein deutliches Zeichen, daß der Mensch, sobald er nicht vor Deinen Augen bewußt wandelt, das heißt sich beobachtet glaubt von Deinen doch allwissenden Augen, trotz aller Gerechtigkeit dennoch nur zu leicht in allerhand Fehler verfallen kann, durch die er in einen geistigen Todesschlummer verfällt, aus dem nur Du allein ihn wieder erretten kannst?
   04] Und wenn dann die leidtragenden Schwestern des Menschen - das sind seine werktätige Liebe und sein guter Wille - zu Dir kommen und sagen: 'Siehe, Herr, den Du lieb hattest, aber der da dennoch fehlte, ist jetzt tot! Er wäre nicht gestorben, so Du hier gewesen wärest!' das heißt also: wenn er unter Deinem Auge sich wandelnd gefühlt hätte, so hätte er nicht gesündigt -, wirst Du dann nicht aus Erbarmen ihn aus der Todesnacht befreien, die Binden ihm abnehmen lassen und ihn mit dem Lebenswasser wieder erquicken und so herstellen, als wäre er nie gestorben?

Johannes ist der Meinung, daß Lazarus doch an einer Krankheit sterben mußte, die er sich selbst durch sein Verschulden zugezogen hatte, und auch daß er fehlte und auch daß er gesündigt hat.

Er fehlte, weil er dem Ärger mit dem Tempel nicht aus dem Wege gegangen war.

Der Ärger mit dem Tempel war die Ursache des Todes von Lazarus.

Weil er sich nicht klar und eindeutig von der Kirche, von der falschen Kirche, trennte.

Paulus drückt dies so aus: Darum sind auch viele Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Teil schlafen. Das ist 1 Korinther 11,30 und bei dem ersten Brief des Paulus an die Korinther geht es darum, daß die Korinther von der wahren Kirche abgefallen waren, und Konfessionen gebildet hatten, sie hatten angefangen, Männern zu folgen, wie Paulus, und Apollos, und Kephas, und das Ergebnis war, daß viele Schwache und Kranke, wie Lazarus, unter ihnen waren, und ein gut Teil schlafen, wie Lazarus.

jl.ev11.046,09
   09] Ja, es ist sogar der Versuch gemacht worden, Lazarus vor den Rat zu bringen, damit er sich reinige durch Widerruf. Aber Lazarus ist nicht erschienen und sagt, was man von ihm hören wolle, könne man in seinem Hause auch erkunden. Die Priester haben jedoch sein Haus für unrein erklärt und weigern sich, zu ihm zu kommen, - wohl aus aus Furcht; denn er soll in ganz wunderbarer Weise geschützt werden.

Wenn Jesus auf unserer Seite ist, dann sind auch wir auf ganz wunderbare Weise geschützt.

Wir kommen zu den Heuchlern zurück:

jl.ev11.051,11
   11] Siehe an die Pharisäer, wie sie glauben, nur Gott zu dienen mit allerlei nichtssagender Weisheit und Formelkram und doch nur sich selbst und ihrem Wohlsein dienen! Diesen auch nur eine noch so kleine Weisheitslehre Meiner Himmel in ihr Herz einfließen zu lassen, ist rein unmöglich; denn es ist angefüllt von allerlei Reichtum ihres Seelendünkels, während nur dort gegeben werden kann, wo vollständige Armut herrscht. - mVerstehst du das und die Brüder?«

Wir kommen nun zu einem Beispiel einer Weisheitslehre:

jl.ev11.055,09
   09] Er habe nun zum Beispiel beobachtet, wie sich die Pflanzen aufbauten, und habe da so recht erkannt, wie die Seelensubstanz der Pflanze ebensogut in sich ein völlig abgeschlossenes, aber nur noch weiter entwicklungsfähiges Wesen sei wie der Mensch selbst. Während er früher in den Pflanzen nur Auswüchse der belebten Erde gesehen habe - ungefähr wie einem Menschen am Körper Haare wachsen -, so wüßte er nun, daß dem nicht so sei, sondern daß jedes Pflänzchen ein abgeschlossenes Seelenganzes, wenn auch in Unvollkommenheit, darstelle, das sich seinen Körper ebensogut aufbaue wie die vollendete Seele des Menschen. Zwar habe er wohl schon früher aus den Erklärungen des Herrn gewußt, wie die Entstehung der menschlichen Seele durch die sichtbare Welt geschehe, aber einen so eingehenden, bis ins einzelne gehenden Blick, den er jederzeit wiedererhalten könne, habe er doch noch nicht gehabt, und es sei ihm vieles, was er früher mehr als wahr gefühlt, jetzt greifbar wahr geworden.

Jedes Pflänzchen baut sich seinen Körper ebensogut auf wie die vollendete Seele des Menschen.

Die Seele des Menschen baut sich ihren Köper auf.

Im vorvorigen Kapitel, "63. Vom Menschen zum Engel," hatten wir am Schluß dieses Zitat:

jl.ev07.069,05.
Aber etwas bewirkt dein Geist dennoch durch die Beharrlichkeit seines deiner Seele noch ganz unbekannten Willens, und das ist der Bau und die zeitweilige Erhaltung deines Leibes.

Die Seele bewirkt den Bau des Leibes.

Unser Unterbewußtsein ist nicht nur die Quelle alles Wissens, unser Unterbewußtsein erschafft auch den physischen Körper.

Hier haben wir vielleicht den Hauptgrund, warum wir Schlaf benötigen. Die Seele muß sich erholen, um wieder diese Arbeit aufzunehmen – den Körper zu bauen – physische Arbeit zu leisten.

Diese Einsicht zeigt am deutlichsten, daß alle materielle Existenz von der geistigen Seite des Lebens abhängt und von ihr kommt.

Siehe Erschaffung von physischer Materie im Unterbewußtsein.

Gedanken werden automatisch vom Unterbewußtsein in physische Materie übersetzt.

Im Schlaf ist das Selbst vom Ego befreit und von der Notwendigkeit enthoben, Ideen in physische Realität zu erbauen.

Und jetzt eine Auszug von Die Natur und Konstruktion der Materie:

Ich sagte euch, ohne Telepathie würde Sprache sinnlos und unwirksam sein. Es ist wahr, daß jeder von euch sein eigenes Universum konstruiert, und auf es reagiert. Es ist jedoch auch wahr, daß ihr durch ununterbrochene Telepathie mit den Ideen anderer bekannt seid hinsichtlich deren ungefähren physischen Universums; und während ihr euer eigenes konstruiert und seht, konstruiert ihr auch jedes gegebene materielle Objekt, indem ihr seine ungefähres Größe, Breite, Dicke und Örtlichkeit in Betracht zieht, wie es von anderen per Telepathie erhalten wird.
Nichtsdestoweniger sind die Objekte einfach nicht die gleichen Objekte. Ihr seht, fühlt, riecht oder berührt nicht das gleiche Objekt. Ich werde euch weiter schockieren indem ich sage, daß, in eurem Sinne, die Objekte sogar nicht im gleichen Raum existieren, sondern in dem persönlichen Selbst-Perspektive-Raum, von jedem gegebenen Einzelnen geformt und geschaffen.

Und da wir Objecte konstruieren, können wir sie deshalb mehr entsprechend unserem Vorteil konstruieren, wir können gesund sein, oder mehr entsprechend unserem Nachteil, und krank sein.

Wir können also weiße Magie betreiben, oder schwarze, wir können Placebo oder Nocebo anwenden.

Wir hatten jl.ev11.055,09 und wollen daran anschliessen und uns die nächsten Verse ansehen:

jl.ev11.055,10- jl.ev11.055,05
   10] Es entstand nun ein mannigfaches Fragen hauptsächlich der Jünger, die nicht zu den Zwölfen gehörten, die von Petrus noch mancherlei Aufschlüsse wünschten, was hier jedoch als unwesentlich übergangen werden kann. Nur sei noch bemerkt, daß bei diesen Gesprächen die Frage aufgeworfen wurde, ob denn die unvollkommenen Seelenteile, welche in Augenblicken der geöffneten Sehe vielen schon sichtbar geworden wären, bewußt wären, und ob in den niederen Stufen der anorganischen Körper mit diesem Bewußtsein ein Empfindungsvermögen Hand in Hand ginge, wie doch wohl anzunehmen sei, und ob dieses für bestimmte Zwecke notwendig wäre.
   01] Petrus gab über diese Punkte nun folgende Erklärungen ab, die er aus der Anschauung gewonnen hatte:
   02] Erstlich habe er gesehen, wie die Form von der Seele aufgebaut werde - stets zu dem Zweck der Weiterentwicklung, nicht aber, nur um ein möglichst bequemes Haus zu haben. Es sei das ungefähr so, wie wenn ein Läufer sich ein Ziel stecke und nun emsig trachte, dasselbe zu erreichen, dabei aber stets berücksichtige, wieviel Kraft er seinem Körper streckenweise vorgeben lassen könne, um zu seinem Ziel zu gelangen. Die Seele stecke sich hier auch das Ziel, eine gewisse Reife zu erlangen, die aber nur mittels der Form erworben werden könne; daher sei diese dem Zwecke angemessen angenommen und der Charakterfärbung nach gewählt.
   03] Daraus gehe aber hervor, daß schon in den untergeordnetsten Stufen ein Selbstbewußtsein, wenn auch noch so gering, vorhanden sei, da ohne dieses eine geistige Entwicklung nicht möglich sei. Nicht aber sei ein körperliches Empfindungsvermögen in den unteren Stufen vorhanden. Dieses sei erst eine Folge entwickelteren Seelenlebens und beginne auf der Grenze derjenigen Wesen, bei denen die Säftezirkulation besteht.
   04] (Petrus:) »Pflanzen zum Beispiel haben daher ein Empfindungsvermögen, wenn auch niederen Grades, die untersten Stufen der Tierwelt aber schon ein weit höheres.
   05] Die Säftezirkulation ist ein Bestreben, von einem Mittelpunkte aus den Organismus zu beleben und dadurch zum Selbstbewußtsein zu entwickeln, indem diese Konzentrierung einen Lebenskern bedingt, der beim Menschen im Herzen zu finden ist. Die Pflanzen haben zwar noch kein Herzorgan, jedoch im innersten Mark ein Lebensprinzip, das sich durch das Bestreben kundgibt, den Baum, die Pflanze zu nähren und zu erhalten, und zwar durch geeignete Säftezirkulation in einem ungemein feinen Röhrensystem, das im Frühjahr und im Herbst in Tätigkeit tritt.

"Erstlich habe er gesehen, wie die Form von der Seele aufgebaut werde."

Die Seele baut die Form auf. Das, was die Form aufbaut, den Körper, ist das, was wir glauben. Wir praktizieren Placebo oder Nocebo dauernd. Wir sind es, die die Entscheidungen treffen.

Wir kommen jetzt zu der entscheidenden Aussage von Jesus bezüglich unseres Verhaltens gegenüber den mensch-gemachten Kirchen:

jl.ev11.058,05-08
   05] Als wir nun fast drei Monate in Ephrem zugebracht hatten, kam eines Tages ein Knecht des Lazarus, welcher heimlich abgesandt worden war, zu uns und verlangte Mich zu sprechen.
   06] Ich ließ ihn zu Mir, und er sagte (der Knecht): »Herr und Meister! Lazarus, der von Dir Erweckte, sendet mich zu Dir und bittet Dich, Du wollest ihm Rat und Hilfe spenden! Die Priester des Tempels sind ihm jetzt aufsässiger denn je, seitdem er von den Toten auferstanden ist und drohen ihm mit Verfluchung, so er nicht gestehe, daß er nicht gestorben gewesen sei, da es noch nie in Wahrheit geschehen, daß ein Toter zurückgekehrt sei. Ihm wird gedroht, er solle das verfluchte Wasser trinken, um zu beweisen, wieweit Gott mit ihm sei. Lazarus aber kennt die Arglist und weiß sehr wohl, daß man ihm im letzten Falle ein ganz besonderes Wasser geben würde, das ihn mit Sicherheit zum zweiten Male sterben ließe. Er weiß jedoch nun nicht, ob er, im Vertrauen auf Dich, sich ihnen dennoch stellen oder dem Tempel, der doch von Gott gegründet worden ist, nun ganz entsagen soll.«
   07] Sagte Ich ihm: »Sage Meinem lieben Lazarus, er solle Gott da suchen, wo er Ihn zu finden glaubt! Weiß er, daß Er im Tempel wohnt, so tue er, was der Tempel verlangt; weiß er aber, daß Jehova dort nicht wohnt, was fragt er da nach dem Tempel und dessen Priestern? Mir sind die Kinder am liebsten, welche sich mit dem Vater im Herzen einigen und dort lauschen, was Er ihnen zu tun gutheißt! - Geh und sage das deinem Herrn!«
   08] Der Bote, der einer der Getreuesten des Lazarus war, ging sofort und brachte ihm diese Nachricht, worauf Lazarus sich keinen Augenblick besann und sich völlig vom Tempel lossagte und den Bedrängern drohte, er würde römischer Bürger werden und sich völlig unter den Schutz Roms stellen, wenn man ihn noch länger beunruhige. Die Priesterschaft ließ ihn denn nun auch ungestört, weil ihr durch die Ausführung dieser Drohung jede Aussicht auf einstmaligen Besitz seiner Güter verlorengegangen wäre, während sie so noch auf krummen Wegen zu ihrem Ziele zu gelangen hoffte.

Lazarus war also immer noch in einer Position, wo er sich von den Pharisäern beeinflussen ließ. Er hatte durch seine Krankheit und den anschließenden Tod nicht viel hinzugelernt und unterhielt weiterhin Kontakt mit den Heuchlern und hatte die Kleriker nicht aus seinem System exkommuniziert.

Jesus schickt Lazarus eine klare Antwort. Gott wird nicht in den Krichengebäuden und bei den Pfaffen gefunden werden. Die Priesterburgen werden nicht von Gott bewohnt.

Wir finden Gott in unserem Herzen und lauschen dort und sind dort mit unserem Vater einig und hören, was wir tun sollen und was uns guttut.

Und was tut Lazarus?

Er drohte den Bedrängern, er würde römischer Bürger werden, er tat es aber nicht. Er blieb Mitglied seiner Konfession und somit deren Sklave.

Das einzig Richtige zu tun, den Teufel von uns zu verteiben, wird nicht erkannt und nicht getan.

Wir kommen nun zum letzten Zitat über Lazarus:

jl.ev11.061,06
   06] Kaum war es denn auch offenkundig geworden, daß Ich Mich wieder öffentlich zeigte und Lazarus ebenfalls - der seit seiner Erweckung sich sehr zurückgezogen hatte und ein still-beschauliches, inneres Leben führte, wodurch er Mich weit mehr erkannte als früher und über Mein Handeln und Tun, sowie über Meine Lehre als auch Meine Person nun gar keine Zweifel oder Unklarheit empfand -, als auch ein überaus großer Zulauf von Jerusalemer Juden und noch mehr solcher aus den Landen, die des Festes wegen nach Jerusalem gekommen waren, stattfand. Hauptsächlich waren es die Nichteinheimischen, welche von der Wundertat und von Mir gehört hatten, die oft der Neugierde wegen, aber auch aus reineren Gründen, zu uns kamen. Alles, was überhaupt von dem jüdischen Volke nur einigen guten Sinnes noch war, ist auch in jener Zeit in Meiner Nähe gewesen, damit die Seelen erleuchtet werden konnten, so daß Meine Jünger und Ich vollauf zu tun hatten, um alle die Herandrängenden, in ihrer Seele Dürstenden zu erquicken.

Lazarus hatte zwar die Imitationskirche nicht aus seinem Leben exkommuniziert, er hatte aber eine wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan.

Er hatte sich sehr zurückgezogen.

Er führte ein still-beschauliches, inneres Leben.

Er erkannte dadurch Jesus weit mehr als früher.

Er empfand über das Handeln und Tun von Jesus, sowie über die Lehre von Jesus, als auch seine Person nun gar keine Zweifel oder Unklarheit.

Ein großer Fortschritt.

Ein großes Hindernis in diese Richtung ist das Kircherennen. Dauernd Veranstaltungen der Imitationskirche beizuwohnen, ist ein vorzügliches Mittel der Kleriker, Leute bei der Stange zu halten, aber der Hauptzweck ist, sie im Regiment des Antichristen einzukerkern.

Innere Einkehr bewirkte viel bei Lazarus, aber zu einem vollständigen Bruch mit dem System der Imitationskirche scheint es nicht gekommen zu sein.

Man kann annehmen, daß Lazarus und seine Schwestern etwa im Alter von Jesus waren und vielleicht im Jahr 70, dem Fall Jerusalems, noch gelebt haben, also die Templer und ihr System überlebt haben, und daß deshalb ihr Besitz nicht in die Hände der Diener Satans gefallen ist. Wäre aber Lazarus vor dem Jahr 70 gestorben und hätten seine Schwestern ihn überlebt, dann wären seine Schwestern von den Pharisäern um ihren Besitz gebracht worden und diese Kleriker hätten sie versklavt und vergewaltigt.

Jesus hatte Lazarus von den Toten auferweckt, aber all das half nicht, er trennte sich nicht von diesen Gegnern Gottes. Sie hatten ihn umgebracht, aber auch das bewirkte kein Lossagen von den Prophetenmördern, er blieb ihr Sklave auch nach seiner Auferstehung.

 

Dieses ist das Ende von "Warum starb Lazarus?"
Zur englischen Version dieses Kapitels: Why did Lazarus die?

 

 

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