[Home] [Kann man Glauben messen?] [Die Imitationskirche] [Verschiedenes]

[Home]>[Verschiedenes]>[4. Korrespondenz]>[4.8 Thomas Riedlinger (3)]

4. Korrespondenz

4.8 Thomas Riedlinger (3)

 

4.8 Korrespondenz mit Thomas Riedlinger (3)

 

5. Email (von Thomas Riedlinger)

Lieber Frank,

herzlichen Dank für Ihre freundliche und lange E-Mail. Ich weiß es sehr wohl zu schätzen, wenn Sie sich soviel Zeit nehmen um mir zu schreiben und zu helfen. Sie hatten erwähnt, dass Sie am weiteren Fortgang interessiert sind und so möchte ich hier berichten.

Natürlich hat mich Ihre E-Mail sehr nachdenklich gemacht über das was in unserer Kirche geschieht und was als Bsp. bei Rodney Howard- Browne geschieht. Ich möchte Sie nun nicht mit der "christlichen Vergangenheit" meiner Frau und mir langweilen, aber ich möchte es gerne damit umschreiben, dass wir vorwiegend in amerikanisch, charismatischen Lehren unterwegs waren. Wir hatten uns über die Jahre eine starke Werksgläubigkeit angeeignet, ohne es zu merken. Wenn dieser Punkt angesprochen werden würde, dann glaube ich, dass meine Frau und ich eine recht gute Theologie vorzuweisen hatten (Jesus hat alles getan....), aber in unserem Herzen war etwas ganz anderes. In unserem Herzen glaubten wir, dass es von äußerster Wichtigkeit ist, dass wir alles richtig machen, so dass wir in Gottes Plan bleiben würden.

Nach unserem besten Verständnis war es so, dass Gott uns nach Deutschland geführt hatte und ein ganz wichtiger Bereich hier war, dass wir diesen werksgerechten Herzensglauben loswerden würden. Und das ist uns durch unsere Kirche in Deutschland auch zu einem solchen Anteil gelungen, dass wir unser Leben mit Gott in einem ganz neuen Freiheitsbewusstsein erleben.

Insgesamt glaubten und glauben wir, dass fast alle Kirchen in der westlichen Welt (die wir kennen) der Anfang mit reinem Herzen getan wurde und die Menschen auch die Absicht hatten das Richtige zu tun. Nach unserem besten Verständnis ist es so, dass diese Christen dann leider nicht die Konsequenz gezogen haben nicht mehr auf ihren menschlichen Verstand zu vertrauen und sich Gott so anzuvertrauen, dass Sie aus dem Geist leben können. Wir sehen es so, dass diese Christen irgendeine Teilwahrheit der Bibel oder über Gott erhalten haben, aber diese Wahrheit dann leider nicht als weiteren Stein ihres Zusammenwachsens mit Gott genommen haben, sondern sie nutzen diese gute und richtige Teilwahrheit Andersgläubige abzuwerten und sich von ihnen abzugrenzen. Dies führte dann im Regelfall zu spiritueller Stagnation und auf diesem Level verblieben diese Kirchen dann zumeist. Wir glauben daher nicht, dass ein anderer Geist als der Geist Gottes in diesen Kirchen herrscht. Aber wir glauben, dass Gott den eigenen Willen dieser Christen so sehr ehrt, dass Er eben in Wirklichkeit nicht herrscht, sondern das menschlich religiöse Gedankengut.

Wir für unseren Teil mussten erkennen, dass Gott uns zwar immer in all diese Kirchen geleitet hat, aber es war vermutlich niemals Gottes erste Wahl. Aber es war nach unserem Verständnis auch bei uns so, dass wir unser Herz nicht zu 100 % auf Gott ausgerichtet hatten. Wunsch nach Anerkennung, Macht und was sonst noch war mit Sicherheit zu stark in unseren Herzen und daher glauben wir, dass Gott uns an Orte lenkte an denen wir geistig wachsen konnten- aber eben nur in dem Tempo wie wir es zuliessen und ertragen haben.

So schien vor einigen Monaten wieder ein neuer Prozess in unserem Leben statt und meine Frau und ich erkannten, dass wir bisher an sich auch nur von unseren "christlichen Gedanken" geleitet wurden und nur indirekt vom Geist Gottes. Also beschlossen wir, dass wir die Herrschaft unserer Gedanken bekämpfen wo wir es nur können. Damit einher gingen auch Überlegungen, dass wir jegliche Offenbarung, die wir erhalten, keinesfalls dazu verwenden werden uns von anderen Christen abzugrenzen. Wir beschlossen das Beste in allem zu sehen und entsprechend den Anweisungen Paulus gemäß die Menschen nicht mehr nach dem Fleisch (entsprechend ihren Handlungen) zu kennen. Daher war es auch zuerst so, dass als ich Ihre E-Mail erhielt, ich nicht bereit war die Kirchenerlebnisse von Rodney Howard- Browne oder in unserer Kirche kritisch durch einen "Punktekatalog" durchzugehen und regelrecht nach dem zu suchen was nicht in Ordnung ist. Es war sowieso klar, dass es auch in unserer Kirche einige Bereiche gibt, die ich für falsch hielt und wenn ich nun mit kritischem Blick die Dinge "untersuchen" würde, die mir bisher nicht aufgestoßen waren, dann würde ich mir negative Gedanken züchten ohne irgendeine Gewähr zu haben, dass das von Gott so gewollt ist. Also habe ich die Sache Gott übergeben und Ihm gesagt, dass ich Ihre (Frank Preuss') Gedanken in vielen Bereichen richtiger finde als das was bei uns passiert, aber solange Gott meine Frau und mich in unserer Kirche haben möchte, solange werde ich diese Massstäbe nicht an andere anlegen. So lebten wir weiter in unserer Kirche und hatten teils gute und teils weniger gute Erfahrungen, so wie auch zuvor. Etwa 3 Wochen später war ich an einem Mittwoch Abend wieder bei uns in der Kirche als ich auf einmal den Eindruck hatte, dass Gott zu mir sprach, dass ich jetzt sofort aus der Kirche gehen könnte und niemals wieder zurückkehren müsste und mir würde nichts fehlen. Dieser Eindruck kam ohne ersichtlichen Anlaß und so verstand ich auch nicht sofort. Ich bat Gott um Erklärung und er hatte mir diese Nacht einen Traum gegeben, in dem Er mir zeigte was Er von unserer Kirche hält und das war's dann. So gehen wir nun seit 4 Wochen nicht mehr in unsere ehemalige Kirche und schauen auch nach keiner anderen Kirche, denn das was wir suchen kann nur Gott uns geben.

Mehr gibt es von uns aus derzeit nicht zu berichten. Seit etwa einem Monat sind wir ohne Kirchenzugehörigkeit. Sehr viel in unserem Leben dreht sich derzeit um Arbeit, wobei wir hier auch den Eindruck haben, dass dies von Gott so gewünscht ist und in Ordnung ist.

Wenn ich somit auch um Verständnis bitten möchte, dass Ihre Anmerkungen nicht direkt zu unserer Reaktion geführt hatten, so hatten Sie einen sehr großen Einfluss und haben uns viele wertvolle und wichtige Gedanken und Anregungen gegeben. Wir sind weiter auf der Suche und wenn wir auch von Gott regelmässig ermuntert werden so weiterzugehen, so glauben wir gleichzeitig doch, dass wir in unserem Leben mit Gott noch viel weiter gehen sollen, wollen und auch werden. Gerne nehmen wir hier jede Art von Anregungen und Hilfen von Ihnen an und verarbeiten sie so gut wir können.

Mit dem allergrößten Dank & den besten Wünschen für Sie
Ihr
Thomas Riedlinger

 

6. Email (an Thomas Riedlinger)

Lieber Thomas,

was Sie über das Entstehen von Gemeinde schreiben sehe ich auch so und habe es auch so erfahren. Ihr Wort Teilwahrheiten gefällt mir. Es drückt gut das aus, was solchen Gemeinden eigen ist; das Taufen der Baptisten-Gemeinden zum Beispiel oder die Gaben des Geistes der Pentecostals oder das Charisma der Charismatiker oder das Wort der Word-Based Churches. Den springenden Punkt haben Sie da sehr gut herausgehoben. Gott respektiert sehr unseren freien Willen. Und daß wir zu Gott kommen wollen and dann weiter immer mehr uns ihm angleichen, muß auch aus uns selbst kommen. Es muß unser freier Wille sein, der dieses tut.

Der ganze Zweck unseres Aufenthaltes hier auf diese Erde ist es, daß unser Wille erprobt wird. Wir fielen einst von God ab und taten dies aus freiem Willen, es war die Sünde des Mißbrauches des freien Willens. Und das muß im Zustand des freien Willens erkannt werden. Und dann müssen wir, auch wieder im Zustand des freien Willens, uns wieder vergöttlichen. Einst sind wir freiwillig abgefallen und jetzt müssen wir freiwillig wieder nach oben wollen. Uns ist dazu alles gegeben worden, ein Herz das lieben kann und soll, und ein Intellekt, der alles verstehen kann, wenn er will, und ein Wille der Entscheidungen fällen kann. Wir sind so gebaut, daß wir wieder den Weg zurück finden and gehen können. Nur der Wille wird benötigt, und besonders der Wille, die Wahrheit zu suchen and finden. Die Bedeutung des freien Willens zu erkennen, führt zu vielem, was unerklärlich erscheint.

Ihr Bericht, daß Sie jetzt ohne Kirchenzugehörigkeit sind, erinnert mich an eine Situation, in der ich mich mit anderen über die Verhältnisse in solchen Kirchen unterhielt und plötzlich fragte ich mich und die anderen laut, warum wir da noch hingehen. Und das war es dann auch. Danach war ich dann auch ohne Kirchenzugehörigkeit.

Aber die Leute mit denen ich mich unterhielt, einschließlich mir selbst, waren die wirkliche Kirche und es war dann nur der Zeitpunkt gekommen, sich von der unwahren Kirche zu trennen. Und so ist es bei Ihnen wahrscheinlich auch. Sie zusammen mit Ihrer Frau sind die wahre Kirche.

Am Anfang schreiben Sie, „Wir hatten uns über die Jahre eine starke Werksgläubigkeit angeeignet, ohne es zu merken.“ Und dann auch, „...dass wir diesen werksgerechten Herzensglauben loswerden würden.“ Es wäre nett, wenn Sie mir dies etwas näher erläutern könnten und vielleicht einige Beispiele geben könnten so daß ich mir mehr unter den Ausdrücken „Werksgläubigkeit“ und „werksgerechten Herzensglauben“ vorstellen kann.

Ihnen und Ihrer Frau wünsche ich alles Gute.

Frank

Frank L. Preuss

 

Zurück zu Verschiedenes:

Verschiedenes

 

[Home]>[Verschiedenes]>[4. Korrespondenz]>[4.8 Thomas Riedlinger (3)]

[Home] [Kann man Glauben messen?] [Die Imitationskirche] [Verschiedenes]

Die Adresse dieser Seite ist:
http://www.fpreuss.com/de3/de304008.htm